Kiesling, Leopold (1770-1827), Bildhauer

Kiesling Leopold, Bildhauer. * Schöneben b. Liebenau (O.Ö.), 8. 10. 1770; † Wien, 26. 11. 1827. Nach Erlernung des Tischlerhandwerks arbeitete er ab 1790 bei den Wr. Bildhauern Jos. Straub und Jos. Schrott und stud. nebenbei an der Akad. der bildenden Künste unter Joh. Mart. Fischer. Er erwarb sich die Gönnerschaft des Gf. Ph. Cobenzl, der ihn 1801 als Pensionär nach Rom schickte, wo er im Kreise Reinharts, Canovas (s. d.) und Kochs arbeitete, dessen Schwägerin er 1809 heiratete. Canova verhalf ihm zum k. Auftrag für die Marmorgruppe „Mars, Venus und Amor“, mit welcher er nebst vielen anderen Arbeiten 1810 nach Wien zurückkehrte. Er wurde nun zum Hofbildhauer ernannt und erhielt zahlreiche Aufträge für das Kaiserhaus und für den Adel. K. bevorzugte Marmor und brach auch der Verwendung einheim. Arten Bahn. Sein Klassizismus folgte dem Canovas, ist jedoch unpathet., trocken und sentimental.

W.: Gruppen und Statuen in Marmor (Merkur und Psyche, Hymen) und Blei (3 Grazien, Psyche und Allegorien für Schloß Eisgrub, Mähren), zahlreiche Grabmäler (Ph. und J. Cobenzl, F. Dalberg-Ostein, Baronin Arnstein, v. Pach, Hammer-Purgstall, M. J. Kofler) und ideale sowie Bildnisbüsten, vor allem von Mitgl. des Kaiserhauses, darunter monumentale wie K. Franz, für das Denkmal in Ernstbrunn.
L.: Tagespost (Linz), 1923, n. 206; L. Hevesi, Österr. Kunst im 19. Jh., 1903; H. Burg, Der Bildhauer F. A. Zauner und seine Zeit, 1915; F. Noack, Das Deutschtum in Rom, 1927; Müller–Singer; Nagler; Thieme–Becker; Krackowizer; Wurzbach; Kosch, Das kath. Deutschland; Dehio, N. Ö.; Galerie des 19. Jh., Katalog 1937, n. 172; A. Mitmannsgruber, Geschichte von Liebenau, 1952, S. 123 ff.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 14, 1964), S. 328
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