Kink, Franz (1790-1862), Bautechniker und Industrieller

Kink Franz, Techniker und Industrieller. * Bozen (Südtirol), 4. 10. 1790; † Kufstein (Tirol), 18. 11. 1862. Vater des Vorigen, Bruder des Technikers und Industriellen Martin v. K. (s. d.), Onkel des Folgenden und des Historikers und Verwaltungsjuristen Rudolf K. (s. d.). Nach Absolv. der Stud. in Innsbruck 1811 kgl. bayer. Werkmeisterpraktikant, 1813 Polier der ärar. Arbeiten, 1814 Wegmeistersubstitut in Werfen. Nach Übertritt in österr. Dienste 1814 Substitut beim Wegmeisteramt Kufstein, 1820 Straßenmeister in Kufstein, wo er sich besonders um die Wasserbauten verdient machte, 1846 i.R. K. erkannte bei der Durchführung seiner Arbeiten die Mängel des bei den Wasserschutzbauten verwendeten Seifenkalkes und bemühte sich ab 1820 um die Findung eines neuen Baustoffes, wobei er die wiss. Arbeiten über den seit 1796 in England erzeugten Zement kennenlernte. Nach langwierigen geldraubenden Untersuchungen fand er im Glemmtal bei Kufstein Lager von zur Zementherstellung geeignetem Kalkmergel und begann 1842 als erster in Österr. mit der fabriksmäßigen Herstellung von Zement. Nach weiteren Probeversuchen verbesserte er das Produkt des anfangs kleinen Unternehmens und konnte bald den Absatz heben. Die Fabrik, welche 1847 die Landesbefugnis erhielt, wurde bald auch im Ausland bekannt und die Bezeichnung „Kufsteiner Zement“ galt später als Gütezeichen für Romanzement. K., dessen Betrieb – den er 1847 seinem Sohn Anton (s. d.) übergab – von großer wirtschaftlicher Bedeutung für Kufstein war, stand dieser Stadt 1835–40 und 1849–53 als Bürgermeister vor. Hier erwarb er sich große Verdienste durch die Regulierung der Straßen und Brunnenleitungen, Errichtung eines Schulfonds und Ordnung der Stadtrechnungen. K., der zwei Jahre persönlicher Tätigkeit für die Ordnung des Stadtarchives aufwendete, widmete sich auch dem Schützenwesen, war 1819–28 Unterschützenmeister und kommandierte 1838 als Schützenmjr. bei der Erbhuldigung in Innsbruck sämtliche Unterinntaler Schützenkomp.

W.: Anleitung zur zweckmäßigen Benützung des in Kufstein erzeugten hydraul. Kalkzementes, durchgehend auf Erfahrungen gegründet, 1844; Erfahrungen über die Eigenschaften und zweckmäßige Behandlung des in Kufstein erzeugten hydraul. Zementes, 1849.
L.: M. Schlechter, Anton und F. K., Zwei Lebensbilder, 1897, S. 3 ff.; 60 Jahre Tiroler Grenzbote, 1931, S. 34; R. Granichstaedten-Czerva, Beitrr. zur Familiengeschichte Tirols, in: Schlernschriften, Bd. 131, 1954, S. 80; N. Grass, Rudolf K., in: Beitrr. zur Heimatkde. des nordöstlichen Tirol, in: Schlernschriften, Bd. 138, 1954, S. 228; Großind. Österr., Bd. 2, S. 3 f.; Slokar, S. 555; G. Strele, Die Anfänge der Zementindustrie in Tirol, in: Tiroler Wirtschaft in Vergangenheit und Gegenwart, Bd. 1, in: Schlernschriften, Bd. 77, 1951, S. 334 ff.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 14, 1964), S. 332f.
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>