Kinzer, Karl (1857-1916), Wasserbautechniker

Kinzer Karl, Wasserbautechniker. * Jägerndorf (Krnov, österr. Schlesien), 18. 1. 1857; † Wien, 10. 10. 1916. Entstammte einer kleinbürgerlichen Familie und wurde zuerst wegen mangelhafter Schulerfolge in eine Lehre geschickt, bis sich seine ungewöhnliche, intuitive techn. Begabung zeigte. Er stud. ab 1875 an der Techn. Hochschule Wien, wurde 1880 absolv. Ingenieur-Schüler, 1885 Dipl.-Ing., 1881–85 war er Ass. an der Lehrkanzel für Eisenbahn- und Tunnelbau; 1883 nahm er mehrere Monate zu Studienzwecken am Bau der Arlbergbahn teil. Mit dem Ghega-Reisestipendium des Österr. Ing.- und Arch.-Ver., dem er seit 1885 angehörte, unternahm er 1885–87 Studienreisen auf dem Festlande und nach England, um sich im Tiefbau weiter zu bilden. 1887 in das Wr. Stadtbauamt eingetreten, wurde er 1906 Baurat und 1910 aus Anlaß der Vollendung der II. Wr. Hochquellenleitung Oberbaurat. Anfänglich Bauführer des Stollenbaues bei der Höllentalquelle, verfaßte er den Vorentwurf für die Einleitung der Singerin-, Reistal- und Wasseralmquelle, beteiligte sich hervorragend an den Arbeiten für die Ergänzung der I. Hochquellenleitung und leitete auch die Bauausführung. Mit den Erhebungen und Vorstudien für die II. Hochquellenleitung betraut, erstreckten sich seit 1896 seine Nachforschungen auch auf die Quellgebiete der Mürz, der Traisen und der Salza, die schließlich 1899 die Ausbauwürdigkeit der Quellen der Salza ergaben. In den folgenden Jahren arbeitete er am Bauentwurf, sowie gem. mit Sykora an den Trassierungsarbeiten der II. Hochquellenleitung und leitete schließlich den Bau des großen Werkes in ausgezeichneter Weise. 1903 Dr. techn. an der Techn. Hochschule Wien. K. genoß als ausgezeichneter Wasserleitungsfachmann einen weit über die Grenzen Österr. hinausgehenden Ruf. Die griech. Regierung berief ihn 1907 zwecks Erstellung eines Entwurfes für die Wasserleitung für Athen, den er auf Grund eingehender Erhebungen an Ort und Stelle verfaßte. Schließlich arbeitete K. einen preisgekrönten Entwurf zur Nutzbarmachung der Wasserkräfte des Walchensees aus, für den die bayer. Regierung einen Wettbewerb veranstaltete. Später befaßte sich K., der zahlreiche Expertisen für das In- und Ausland ausarbeitete, mit dem schwierigen Problem der Trinkwasserversorgung Triests.

W.: Die Inhaltsmessung eines für Wasserversorgungszwecke anzulegenden Talsperren-Reservoirs, Diss. Wien, 1902.
L.: R.P., Wr.Ztg. und N.Fr.Pr. vom 11. 10. 1916; Z. des Österr. Ing.und Arch.-Ver. 68, 1916, S. 878/79; Techn. Hochschule Wien, 1917/18; Mitt. R. Kinzer, Baden (N.Ö.) und A. Drennig, Wien.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 14, 1964), S. 336
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