Kirsch, Bernhard (1853-1931), Techniker

Kirsch Bernhard, Techniker. * Chemnitz, heute Karl-Marx-Stadt (Sachsen), 28. 7. 1853; † Wien, 2. 1. 1931. Sohn eines Apothekers; stud. an der Techn. Hochschule in Dresden, 1878 Staatsprüfung für Lehrer der techn. Wiss., dann Ing. bei der Brückenbauanstalt Harkort in Duisburg, anschließend Lehrer für Mechanik und Eisenkonstruktionswesen an der Baugewerkschule in Dresden, dann Ass. am Laboratorium für Materialprüfung an der Techn. Hochschule Berlin-Charlottenburg. 1888 kam er nach Wien, um am Technolog. Gewerbemus. die Versuchsanstalt für Bau- und Maschinenmaterialien einzurichten. Unter seiner Leitung nahm die Anstalt einen raschen Aufschwung und aus der gesamten österr.-ung. Monarchie wurden Bau- und Maschinenmaterialien aller Art zur Prüfung auf ihre Verwendbarkeit und Güte eingesandt. Zu den vielseitigen Fragen der Materialprüfung gehörten die umfangreichen Untersuchungen an Eisenbeton, welche vom österr. Ing.- und Architektenver. inauguriert wurden und an denen das Laboratorium hervorragenden Anteil hatte. Ferner müssen hier die schwierigen und mühevollen Experimente mit größeren Mauerwerkskörpern erwähnt werden. Gelegentlich des Wr. Kältekongresses fanden im Laboratorium Stud. über die Abbindeverhältnisse der Zemente bei niederen Temperaturen und beim Wechsel der Temperaturen statt. 1905–22 Prof. für Mechanik und Baumaterialienkde. und Leiter des angegliederten mechan.-techn. Laboratoriums an der Techn. Hochschule Wien, 1917/18 Rektor, 1921 Hofrat. K., der das Laboratorium den durch die Entwicklung der Technik, besonders der Eisenbetonbauweise ständig wachsenden Anforderungen anzupassen vermochte, war einer der Begründer des österr. Materialprüfungswesens und gab 1907 die Initiative zur Begründung eines österr. Verbandes für Materialprüfungen, dessen Vorstand er war.

W.: Über das Verhalten von Eisenconstructionen bei Feuersgefahr, in: Mitth. des k.k. Technolog. Gewerbe-Mus. in Wien 4, 1888, S. 49–58, 162–70; Über die Methoden zur Prüfung der Richtigkeit von Festigkeits-Probiermaschinen, ebenda, 6, 1890, S. 97–102; Ergebnisse der Prüfung amerikan. Treibketten (System Ewart) aus Weicheisenguß, ebenda, N.F., 1, 1891, S. 41–58; Ergebnisse der Untersuchung von Hanfseilen auf deren Festigkeitseigenschaften, ebenda, 3, 1893, S. 81–190, 287–308; Über die Prüfung der Festigkeitsmaschinen, ebenda 8, 1898, S. 224–37; Über die Genauigkeit der Festigkeitsmaschinen und der Ergebnisse von Zerreißversuchen, in: Stahl- und Eisen 18, 1898, S. 557–62, 663–64; Über die Erprobung von Schleifsteinen, in: Mitth. des k.k. Technolog. Gewerbe-Mus. in Wien, N.F. 11, 1901, S. 140–52; Studien über das Problem der Zerknickung, ebenda, 14, 1904, S. 253–58; Eine Methode zur Bestimmung der Wärmedurchlässigkeit von Baumaterialien, ebenda, 16, 1906, S. 52–63; Über einen Spiegelapparat zur Messung elast. Längenänderungen (= 2. Mitt. aus dem mechan.-techn. Laboratorium der k.k. Techn. Hochschule Wien), in: Österr. Ws. für den öffentlichen Baudienst 14, 1908, S. 904–06; Tetmajers Eisenbetonversuche, gem. mit R. Saliger, in: Armierter Beton 4, 1911, S. 29–34, 81–87, 120–25 (= 12. Mitt. aus dem mechan.-techn. Laboratorium der k.k. Techn. Hochschule Wien); Ber. über die Untersuchungen von armiertem Beton in Österr. Int. Verband für Materialprüfungen der Technik, VI. Kongreß (New York), 1912, Abt. 13/1b; Über die Grenze der vollkommenen Elastizität und das Hookesche Gesetz, in: Z. des Österr. Ing.- und Arch.-Ver. 65, 1913, S. 81–83; Vorlesungen über techn. Mechanik elast. Körper, 1919, 2. Aufl. 1923; Über Stoß, Relaxation und Sprödigkeit. Ein Beitr. zur techn. Mechanik zäher Körper, 1921, etc.
L.: N.Wr.Tagbl., R.P., Wr.Ztg. und N.Fr.Pr. vom 8. 1. 1931; Techn. Hochschule Wien, 1931/32; J. Neuwirth, Die k.k. Techn. Hochschule in Wien 1815–1915, 1915; A. Lechner, Geschichte der Techn. Hochschule in Wien 1815–1940, 1942, s. Reg.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 14, 1964), S. 344f.
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