Kittl, Ernst (1854-1913), Geologe und Paläontologe

Kittl Ernst, Geologe und Paläontologe. * Wien, 2. 12. 1854; † Wien, 1. 5. 1913. Stud. 1872–77 an der Techn. Hochschule und 1876–78 an der Univ. Wien Naturwiss. 1878–82 war er unter F. v. Hochstetter (s. d.) und F. Toula Ass. an der Lehrkanzel für Mineral. und Geol. an der Techn. Hochschule, an der er sich 1901 als Priv. Doz. für Paläontol. und prakt. Geol. habilit. 1907 tit. ao. Prof., 1882 trat er als Ass. in das Hofmineralienkabinett ein. Er hatte wesentlichen Anteil an der Überführung und Neuaufstellung der geolog.-paläontolog. Smlgn., als das Kabinett 1885 in das (1889 eröffnete) Naturhist. Hofmus. einbezogen wurde, wobei die geolog.-paläontolog. Bestände als eigene Abt. des Mus. eingerichtet wurden, deren Leitung K. (seit 1886 Kustos-Adjunkt, 1893 Kustos) 1904 übernahm. 1912 wurde er Dir. der Abt. Schon während seiner Studienzeit führten ihn Reisen u.a. nach Böhmen, Sachsen, Bayern, Kärnten, Krain und Westgalizien. 1881 besuchte er im Zusammenhang mit dem in Bologna tagenden 2. Geologen-Kongreß Italien, 1895 war er in der Lombardei, 1897 in der nördlichen Dobrudscha, 1899 im Bakonyer-Wald, 1900 in Frankreich (Mayenne, Pariser Becken). Sein Führer durch das Salzkammergut, die Frucht vieler Sommeraufenthalte, brachte die beste geolog. Zusammenstellung dieses Gebietes. Unter seiner Aufsicht standen auch die von der prähist. Komm. der Akad. der Wiss. in Wien durchgeführten Ausgrabungen in der Vypustekhöhle (Mähr. Schweiz). K.s Stud. befaßten sich zunächst mit dem Tertiär, vor allem mit den Miocänbildungen der Österr.-ung. Monarchie. Später wandte er sich in erster Linie der alpin-mediterranen Trias und ihrer Tierwelt zu. Er war ein ausgezeichneter Kenner der Gastropoden, hatte aber auch an den fossilen Wirbeltieren Interesse, welches sich durch die Aufstellung von Schaustücken zeigte. Er betätigte sich mit Untersuchungen über das Gebiet der Wr. Hochquellenleitung, sowie mit Gutachten über Steinbrüche, Bohrungen, Tonlager, Braunkohlen etc. Auch am wiss. Vereinsleben nahm er regen Anteil. 1878/79 war er Präs. des Naturwiss. Ver. an der Techn. Hochschule, Ausschußrat der Ges. zur Förderung der naturhist. Erforschung des Orients und des 1905 daraus hervorgegangenen Naturwiss. Orientver., seit 1911 dessen Obmannstellvertreter. Über seine Initiative wurde 1889 die Sektion für Höhlenkde. des Österr. Touristen-Klubs in eine Sektion für Naturkde. erweitert, deren Mitt. er 1889–98 redigierte. 1900–13 war er Präs. der Sektion, die über seine Anregung regelmäßig naturwiss. Exkursionen in die Umgebung Wiens durchführte, deren Leitung K. oft selbst innehatte. Der Verbreitung naturwiss. Kenntnisse in weiteren Bevölkerungskreisen dienten auch Vorträge in der Wr. Urania.

W.: Über die miocänen Pteropoden von Österr.–Ungarn, in: Annalen des k.k. Naturhist. Hofmus. 1, 1886, S. 47–74; Die Gastropoden der Schichten von St. Cassian der südalpinen Trias, ebenda 6, 1891, S. 166–262, 7, 1892, S. 35–97, 9, 1894, S. 143 bis 277; Die Gastropoden der Esinokalke, nebst einer Revision der Gastropoden der Marmolatakalke, ebenda, 14, 1899, S. 1–237; Die triad. Gastropoden der Marmolata und verwandter Fundstellen in den weißen Riffkalken Nordtirols, in: Jb. der k.k. Geolog. Reichsanstalt 44, 1894, S. 99–182; Gastropoden aus der Trias des Bakonyerwaldes, in: Resultate der wiss. Erforschung des Balatonsees, Bd. 1, Tl. 1, 1900, Anhang S. 1–58, ung. 1900; Materialien zu einer Monographie der Halobiidae und Monotidae der Trias, ebenda, Bd. 1, Tl. 1, Paläontol., Bd. 2, 1912, S. 1–229, ung. 1912; Die Cephalopoden der oberen Werfener Schichten von Muć in Dalmatien sowie anderer dalmatin., bosn.-herzegowin. und alpiner Lokalitäten, in: Abhh. der k.k. Geolog. Reichsanstalt, Bd. 20, 1912, H. 1; Salzkammergut, 1903 = Führer für die Exkursionen des IX. internationalen Geologen-Kongresses in Wien, n. 4; Geol. der Umgebung von Sarajevo, in: Jb. der k.k. Geolog. Reichsanstalt 53, 1904, S. 515–748; Beitrr. zur Kenntnis der Triasbildungen der nordöstlichen Dobrudscha, in: Denkschriften Wien, math.-nat. Kl, Bd. 81, 1908, S. 447–532; Hrsg.: Festschrift anläßlich des 25jähr. Bestandes der Sektion für Naturkde. des Österr. Touristen-Klubs, 1906; etc. Vgl. CSP 10, 12, 16.
L.: Mitt. der Sektion für Naturkde. des Österr. Touristen-Klubs, 25, 1913, S. 33, 53–59 (mit Werksverzeichnis); Verh. der Geolog. Reichsanstalt, 1913, S. 221–24 (mit Werksverzeichnis); Mitt. der Geolog. Ges. in Wien 6, 1913, S. 358–62; Jahresber. des Naturwiss. Orientver. in Wien, 1913; Annalen des k.k. Naturhist. Hofmus. 28, 1914, Notizen S. 2–4 (mit tw. Werksverzeichnis); Eisenberg, Jg. 1893, Bd. 2; Poggendorff 3–6; Biograph. Jb. 1917; Wer ist’s? 1911.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 14, 1964), S. 359f.
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