Klaar, Alfred (1848-1927), Literarhistoriker, Schriftsteller und Journalist

Klaar Alfred, Literarhistoriker, Schriftsteller und Journalist. * Prag, 7. 11. 1848; † Berlin, 4. 11. 1927. Stud. an der Univ. Wien zuerst Jus, wandte sich aber bald literaturgeschichtlichen und philosoph. Stud. und polit. Problemen zu. 1868–72 war er Mitredakteur des „Tagesboten aus Böhmen“ und ab 1873 Redakteur der Prager „Bohemia“. 1885 wurde er Priv. Doz. und 1898 ao. Prof. für dt. Literatur an der Dt. Techn. Hochschule in Prag. 1886 war er in Leipzig zum Dr.phil. prom. worden. 1899 nach Berlin übersiedelt, wurde K. Schauspielkritiker und später Feuilletonredakteur der „Vossischen Zeitung“. Außerdem wirkte K. als Doz. an der Techn. Hochschule in Charlottenburg, war führend im Verband der Berliner Theaterkritiker und Mitarbeiter der Wr. „Neuen Freien Presse“. In seinen kulturkrit. Betrachtungen bekannte sich K. zur Auffassung des Ursprünglich-Guten, dessen Quellen nicht verschüttet werden dürften. Auf literar. Gebiet, innerhalb welchem er sich besonders mit Problemen des Theaters befaßte, erkannte er dessen heilbringende Wirkung in der Volksverbundenheit, wie er sie vor allem an der österr. Bühne sah, da Einfachheit und die Kräfte des Glaubens die wesenhafte Wirkung des Dichters und seines Werkes gegenüber dem bloßen „spectaculum“ gewährleisteten. In seinen Auseinandersetzungen mit religiösen Problemen verfocht K. die Haltung von Lessings „Nathan“. Die zeitgenöss. Kritik rühmte an seinen Schriften außer dem großen Wissen besonders die sprachlichstilist. Vorzüge, mit denen K. gelehrte Bildung in lebendiger Form zu geben vermochte.

W.: Die fahrenden Komödianten (Lustspiel), 1876; Scheffel, 1876; Josef II., 1882; Das moderne Drama in seinen Richtungen und Hauptvertretern, 3 Bde., 1882 f.; Grillparzers „Ottokar“, 1886; L. Börne, 1887; Der Empfang (Geschichtliches Festspiel), 1888; Diskretion (Lustspiel), 1890; F. Grillparzer als Dramatiker (Studie), 1891; Wer schimpft, der kauft (Lustspiel), 1892; F. Schmeykal, 1894; Börnes Leben und Wirken (Einleitung zu Börnes Werken), 1899; Der Faust-Zyklus, 1899; Wir und die Humanität, 1902; Schauspiel und Ges. (Studie), 1902; Grillparzers Leben und Schaffen, 1903; Schiller und Goethe (Studien), 1905; Uriel Acosta, 1909; Probleme der modernen Dramatik, 1921; Die Marquise v. O., 1921; Ludwig Fulda. Leben und Lebenswerk, 1922.
L.: Tagesbote aus Mähren und Schlesien vom 6., Wr.Tagbl. vom 7. 11. 1908; Salzburger Neueste Nachr. vom 7. 11. 1918; N.Fr.Pr. vom 5. 11. 1927; Voss. Ztg. vom 5. und 9. 11. 1927; Literar. Echo, 1927/28, S. 217; Brümmer; Kosch; Kürschner, Jgg. 1898–1928, 1936; Nagl–Zeidler–Castle, Bd. 3 und 4, s. Reg.; Wininger; Wer ist’s? 1911.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 14, 1964), S. 362
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