Kletzl, Otto (1897-1945), Kunsthistoriker

Kletzl Otto, Kunsthistoriker. * Böhm.-Leipa (Česká Lípa,Böhmen), 20. 6. 1897; † Posen (Poznan, Polen), Dezember 1945 (in Gefangenschaft). Vetter des Graphikers A. Kubin, Neffe von Dr. J. Titta (Dt. Volksrat für Böhmen). Nach Frontdienst am italien. Kriegsschauplatz stud. er Architektur an der Dt. Techn. Hochschule in Prag, 1923 Dipl.-Ing., 1924–27 Sekretär des Stadtbildungsausschusses in Reichenberg, 1927 Dr.techn. 1927–31 stud. er Kunstgeschichte in Leipzig, München (Pinder), Prag (Ass. an der Techn. Hochschule), 1931–40 wiss. Forschungen in Marburg a. d. Lahn, 1934 Priv.Doz., 1940 Gastprof. in Lüttich, 1941 ao. Prof. in Posen. Schon als Student war K. in der Jugendbewegung seiner Heimat tätig, ab 1918 in der Böhmerland-Bewegung. 1920 leitete er die erste nordböhm. Volkshochschule (Tetschen-Liebwerd) und schuf die Böhmerland-Jbb. (1920–24) und die Sudetendt. Jbb. (1925–37), ein maßgebendes Organ der sudetendt. Kulturpolitik. Die Wendung zur strengen wiss. Forschung setzte mit den Arbeiten über die Bauhütte Peter Parlers ein. Daneben gab er mit J. Stauda und J. Mühlberger 1928–31 die Kulturz. „Witiko“ in Eger heraus und führte gleichzeitig auch die Geschäfte der Prager Sezession und deren Ausst. Als Kunstkritiker der zeitgenöss. dt. Kunst in Böhmen und Mähren übte er bis 1933 eine bedeutende Wirkung aus. Dann wandte er sich ausschließlich der Kunstgeschichtsforschung in den böhm. Ländern und den Ausstrahlungen der böhm. Gotik und der Barockkunst zu.

W.: Sudetendt. Gegenwartskunst, in: Witiko, 1928, S. 90–101; Von dt. Kultur in der Tschechoslowakei, 1928; Zeichner der Stadt (Prag) des 19. Jh., 1929; Holzkirchen in der Tschechoslowakei, in: Mitt. des Ver. für Geschichte der Dt. in Böhmen, 1929, S. 142–62; Typen der Wenzelsdarstellungen, in: Slaw. Rundschau, 1929/30, S. 496–507; Zur künstler. Ausstattung des Veitsdomes in vorhussit. Zeit, Sonderdruck aus: Germanoslawica, 1931/2, S. 247 bis 277; Legis Glückselig Briefwechsel mit Wenzel Hanka, in: Mitt. des Ver. für Geschichte der Dt. in Böhmen, 1931, S. 127–43; Schaubildpläne und alte Ansichten der Westfassade des Münsters von Straßburg, in: Jb. des Elsäß.-Lothring. Inst. (Frankfurt), 1936, S. 62–114; Leitacher Törl an der Pfarrkirche in Bozen, in: Veröff. des Tiroler Landesmus. Ferdinandeum, 1939, S. 615–42; Westdt. Schatzkunst in Böhmen, in: Wallraf-Richartz-Jb. 1940, S. 85–127; Die dt. Kunst in Böhmen und Mähren, 1941; Ein Werkriß des Frauenhauses von Straßburg, in: Marburger Jb. für Kunstwiss. XI, 1943, S. 103–58; etc.
L.: Der neue Bund (Linz), 1953, F. 2; Sudetendt. Ztg. (München) vom 25. 3. 1961; Mitt. J. Stauda, Lohr a. Main.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 15, 1965), S. 398f.
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