Knobloch, Johann Wenzel (1757-1818), Veterinärmediziner

Knobloch Johann Wenzel, Veterinärmediziner. * Schiessnig b. Böhm. Leipa (Žizníkov/Česká Lípa, Böhmen), 27. 2. 1757; † Wien-Dornbach, 21. 2. 1818. Stud. an der Univ. Prag Med., 1779–83 Tierheilkde. am k. k. Tierarzneiinst. in Wien. 1784 Prof. der Tierarzneikde. an der med. Fak. der Univ. Prag mit einem Lehrauftrag für Ärzte und Wundärzte. 1786–95 las er auch Arzneikde. und Medizin. Polizei. 1786 begleitete er K. Josef II. nach Lissa a. d. Elbe (Böhmen), wo die Lungenseuche der Rinder herrschte. 1795 als Nachfolger J. G. Wolsteins Prof. des Tierarzneiinst. in Wien, wo K. als Erster Prof. die klin. Fächer lehrte. 1806 wurde er k. k. Hoftierarzt. Während der Evakuierung des Tierarzneiinst. (8. 11. 1805–10. 3. 1806) betreute K. den in Wien verbleibenden Bestand von 210 ärar. Pferden und einigen hundert Tieren aus dem Besitze der Franzosen in den Wr. Kavalleriekasernen und in den herrschaftlichen Stallungen, was mit großen Schwierigkeiten verbunden war. 1807 wurde er pensioniert, 1817 als k. k. Hoftierarzt i.R. Schon zu Beginn seines Prager Lehramtes begann K. das veterinärmedizin. Standardwerk des 18. Jhs. „Cours d’Hippiatrique“ von Lafosse zu übersetzen und krit. zu bearbeiten. In Prag ließ K. auch die „Sammlung der vorzüglichsten Schriften aus der Tierarzneykunde“, 2 Bde., 1785–86 erscheinen. Er übers. und exzerpierte französ., italien., engl. und dt. Veterinärschriftsteller, brachte aber auch Originalarbeiten, Buchbesprechungen und Biographien, so daß seine „Sammlung“, die er fortzusetzen beabsichtigte, eine vielgelesene Z. wurde und als die erste tierärztliche Referaten-Z. in dt. Sprache angesehen werden muß. K. war auch ein vorzüglicher Violinspieler.

W.: Smlg. der vorzüglichsten Schriften aus der Thierarzneykde., 2 Bde., 1785–86; Lehrbegriff der Thierarzneikunst, 4 Bde., 65 Kupfertafeln, 1787–88 (nach E. Lafosse, Cours d’Hippiatrique, 1772); etc.
L.: Wr. Ztg., 1817, S. 922, 1818, Intelligenzbl. 1. Sem., S. 485; Intelligenzbl. der österr. Literatur vom 5. 11. 1817; W. Lechner, Die Anatomielehrer der Wr. Tierärztlichen Hochschule, 1933, H. 1; G. W. Schrader – E. Hering, Biograph.-literar. Lex. der Thierärzte aller Zeiten und Länder, 1863; G. H. Dlabacz, Allg. hist. Künstler-Lex., Bd. 2, 1815; Wurzbach; M. F. Röll, Das k. k. Militär-Thierarznei-Inst. in Wien während des 1. Jh.s seines Bestehens, 1878; G. Günther, Die Tierärztliche Hochschule in Wien, 1930; Das Jb. der Tonkunst in Wien und Prag für das Jahr 1796, S. 32; F. Fuss, Geschichte der k. k. Ökonom.-patriot. Ges. in Böhmen, 1797, S. 175, 188; J. Eichbaum, Grundriß der Geschichte der Tierheilkde., 1885, S. 104, 182; Mitt. des Nordböhm. Exkursions-Klubs, Jg. 29, 1906, S. 360–61; R. Froehner, Kulturgeschichte der Tierheilkde., Bd. 2, 1954, S. 197, 308.
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 3 (Lfg. 15, 1965), S. 443
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