Knorr, Josefine Freiin von (1827-1908), Schriftstellerin

Knorr Josefine, Freiin von, Dichterin. * Wien, 16. 4. 1827; † Schloß Stiebar b. Gresten (N.Ö.), 30. 5. 1908. Tochter des Staatsrates und Gutsbesitzers Josef Frh. v. K.; erhielt schon frühzeitig eine außergewöhnlich gute Allgemeinbildung. Nach dem Tode ihrer Eltern abwechselnd auf Schloß Stiebar, wo sie zahlreiche in- und ausländ. Gäste aufnahm, und in Wien lebend, fand sie hier Freundschaft und Förderung durch F. v. Saar, F. Alt, B. Paoli u. a. Ab 1876 lebte sie wiederholt längere Zeit in Paris, das ihre zweite Heimat wurde. Als Dichterin war sie hauptsächlich Lyrikerin und auch in ihren ep. Versdichtungen und formschönen Übertragungen engl., französ., italien. und alban. Werke vor allem hervorragend in der Zeichnung von Stimmungsbildern. Formklar und kurz sind ihre klingenden Reime, doch seelenvoll und aus der Kraft eines liebenden und gläubigen Herzens verfaßt. In ihren Aphorismen zeigen sich Verstandesschärfe und Gemütstiefe vereint.

W.: Irene (Gedichte), 1858, 2. Aufl. 1907; Die hl. Odilia. Nach einer altdt. Legende, 1863, 2. Aufl. 1905; Gedichte, 1872; Neue Gedichte, 1874; Sommerblumen und Herbstblätter (Gedichte), 1885; Aus späten Tagen (eingeleitet von M. v. Ebner-Eschenbach), 1897; Gedichte, 1902; Pensées du soir, 1903; Abendgedanken und Aphorismen, 1906; Übertragungen: Byrons „Manfred“, 1901; etc.
L.: N. Fr. Pr. vom 21. 4. 1907 und vom 2. 6. 1908; Fremdenbl. vom 14. 4. 1907; Österr. Rundschau, Bd. 2, 1905; Jb. der Grillparzer-Ges., Jg. 5, 1895, S. 327 ff.; Biograph. Jb., 1910, 1917; Brümmer; Giebisch–Pichler–Vancsa; Kosch; Kürschner, Jgg. 1880–1908 und Nekrolog, 1936; Nagl–Zeidler–Castle 3, S. 732 und 915; S. Pataky, Lex. dt. Frauen der Feder I, 1898, S. 439; Lex. der Frau; Kosch, Das kath. Deutschland.
(Hanus)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 16, 1966), S. 2
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