König, Karl (1841-1915), Architekt

König Karl, Architekt. * Wien, 3. 12. 1841; † Wien, 27. 4. 1915. Nach maler. Ausbildung bei H. Schwemminger und L. Schön stud. er am k. k. polytechn. Inst. in Wien bei J. Stummer v. Traunfels sowie an der Akad. der bildenden Künste bei F. v. Schmidt, in dessen Meisterschule er 1861 aufgenommen wurde. Interesse für mittelalterliche, insbesondere für got. Bauten veranlaßte K. zur Aufnahme österr. und italien. Denkmäler (Reisestipendium 1864 zum Stud. der Krypta von S. Marco in Venedig und S. Zeno in Verona), doch erweckte eine darauf folgende Studienreise nach Florenz und Rom das Interesse für die italien. Renaissance. Seine erste prakt. Ausbildung erhielt er 1864–66 beim Bau der Großmarkthalle in Wien III., 1866 trat er in die Baukanzlei J. Hlávka, Wien, ein. Auf einer von R. v. Eitelberger (s. d.) veranstalteten Ausst. im Österr. Mus. für Kunst und Industrie beteiligte er sich erfolgreich als Architekturzeichner, wodurch H. v. Ferstel (s. d.) auf ihn aufmerksam wurde und ihn 1866 als Ass. an die Lehrkanzel für Hochbau und Architektur am Polytechn. Inst. für Perspektive und Landschaftszeichnen wählte. 1868–70 machte er einen Konkurrenzentwurf für das Wr. Rathaus (3. Preis), einen preisgekrönten Entwurf für das Gebäude des galiz. Landtages in Lemberg, einen Konkurrenzentwurf für das Haus des österr. Ing.- und Architektenver. (3. Preis). Auf Studienreisen in Italien, Frankreich, Belgien und Deutschland folgte eine intensive Lehrtätigkeit. 1873 ao. Prof., 1875 o. Prof. für Propädeutik der Baukunst an der Techn. Hochschule Wien. Nach dem Tode Ferstels wurde dessen Lehrkanzel 1885 unter V. Luntz und K. aufgeteilt, wobei letzterer die Antike und Renaissancebaukunst zu betreuen hatte; 1884–88 Dekan, 1901 Rektor, 1908 Hofrat, 1912 i.R. Um 1900 machte K. einen Stilwandel mit, der nicht unberührt ist von dem gleichzeitig erfolgten Durchbruch sezessionist. Geschmacksrichtung. In K.s Bauten wirkte sich dies im Zurückdrängen der kleinteiligen flimmernden Ornamentik zugunsten einer großzügigeren, klareren Flächenteilung aus. Die Villa Kuffner, 1905–08, das Haus der Industrie, 1906–09, Wien I., Schwarzenbergplatz sowie der Erweiterungsbau der Techn. Hochschule, 1907–10, Wien IV., Karlsplatz, sind Zeugen dieses Stilwandels. K. war der Architekt des Wr. Neubarocks, bei dem er den italianisierenden Akzent seiner Vorläufer, vor allem Hasenauers (s. d.) zugunsten einer stärkeren Neubelebung österr. Barockformen zurückdrängte. Ohne von den Bahnen historisierenden Bauens und Entwerfens abzuweichen, macht sich doch auch in seinem Werk der große Stilwandel seiner Epoche fühlbar. Zu seinen bedeutendsten Schülern zählen Ohmann, Krauss, Holey.

W.: Synagoge, 1871–72, Wien XV., Turnerg.; Ikonostasis, 1879, Kathedrale der unierten Griechen, Przemyśl; Philippshof, 1883–84, Wien I., (zerstört), Villa Andrian, Palais Springer, beide Wien; Synagoge, Reichenberg; Börse für landwirtschaftliche Produkte, 1886–90, Wien II., Taborstraße; Rotenturmhof, 1889, Wien I., Haus Probst, 1891–93, Wien IV., Theresianumg.; Villa Taussig, 1893–95, Wien XIII.; Palais Herberstein, 1897, Wien I., Strauchgasse; etc. Grabmäler: Ziehrer, 1899, Lützow, Waldstein, 1903, Philipp, 1905; etc. Bauten und Entwürfe von K. K., hrsg. von seinen Schülern. Publ.: Die Krypta der St. Marcuskirche in Venedig, gem. mit R. Schwengberger, in: Mitt. der Zentralkommission, Jg. 11, 1866, S. 79 ff.; Erläuterungen zu dem Concursprojecte III für die Vereinshäuser des österr. Ing.- und Architektenver. und des Niederösterr. Gewerbe-Ver., in: Z. des Österr. Ing.- und Architektenver., Jg. 22, 1870, S. 187; etc.
L.: Z. des österr. Ing.- und Architektenver., Jg. 64, 1912, S. 241 ff., Jg. 68, 1916, S. 1 ff.; Thieme–Becker; J. Neuwirth, Die k. k. Techn. Hochschule, 1915, s. Reg.; A. Lechner, Geschichte der Techn. Hochschule in Wien 1815–1940, 1942, s. Reg.; P. Kortz, Wien am Anfang des XX. Jh., 1905; Die bild. Kunst in Österr. 6, S. 167; Unsere Heimat 31, 1960, S. 76.
(Wagner-Rieger)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 16, 1966), S. 36f.
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