Koessler, Ludwig (1861-1927), Volksbildner und Jurist

Koessler Ludwig, Jurist und Volksbildner. * Wien, 17. 3. 1861; † Wien, 12. 3. 1927. Sohn eines Fabrikanten; stud. an den Univ. Graz, Heidelberg und Wien Jus, Dr.jur.; 1885 bei der Finanzprokuratur in Graz, ab 1886 bei der Finanzprokuratur in Wien (1892 Advokatursprüfung), ab 1895 als Advokat tätig. Der Anstoß zur Mitarbeit in der Volksbildung kam vom Reformklub, einer Vereinigung jüngerer Mitgl. des Niederösterr. Gewerbever., dem vor allem Gewerbetreibende und Fabrikanten angehörten. Dieser Klub konstituierte sich auf Anregungen, die von der Berliner Urania ausstrahlten, im Frühjahr 1897 als „Syndikat Urania“, das zunächst als Wirtschaftsunternehmen geplant war. Nach großen Erfolgen mit naturwiss. und techn. Schaustellungen 1898 ergab sich am Jahresende ein derartiges Defizit, daß der Betrieb zunächst geschlossen werden mußte. 1899 zum Präs. der Urania gewählt, gelang es K. mit ungeheurer Energie und Zähigkeit, das Inst. über alle Schwierigkeiten hinwegzuführen. Nach einer abermaligen schweren Krise 1904 konnte Bürgermeister Dr. K. Lueger für den Plan zum Bau eines eigenen Hauses gewonnen werden. Nach vielen Bemühungen konnte 1910 das neue Uraniagebäude eröffnet werden. Ein großartiges Aufblühen der Uraniatätigkeit in den zwanziger Jahren war die Frucht von K.s steten Bemühungen. Das Profil des Uraniabildungsprogrammes, wie es im wesentlichen heute noch gilt, wiss. Kurse, Vorträge, Kulturfilme sowie musikal. und künstler. Veranstaltungen, wurde weitgehend von der starken Persönlichkeit K.s geprägt. Er widmete fast 30 Jahre seines Lebens dem Aufbau und der Entwicklung der Wr. Urania. Wenn der Name dieses Inst. über die Grenzen Österr. hinaus einen guten Klang hat, so ist dies zu einem Großteil das Verdienst K.s

W.: Entwicklung und Ausarbeitung der Wr. Urania 1919/20, 1921; 25 Jahre Volksbildungsarbeit 1897–1922. Aus den persönlichen Erinnerungen des Präs. der Wr. Urania, in: Volksbildungshaus Wr. Urania. Neue Wege und Ausblicke 1920/21, 1922; Die aufbauende Kinoreform und ihr Verhältnis zur Filmzensur, in: Volksbildung, 1925.
L.: R. P. und N. Fr. Pr. vom 15. 3. 1927; Volksbildung, 1924, 1925; Verlautbarungen des Volksbildungshauses Wr. Urania vom 19. 3. 1927, Jg. 18, n. 12; 25 Jahre Uraniagebäude, Urania Wien 1910–1935, 1935; W. Bründl, Eigenart und Entwicklung der Wr. Volkshochschulen. Schriften zur Volksbildung des Bundesmin. für Unterricht, Bd. 1, 1959, S. 72.
(Altenhuber)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 16, 1966), S. 50f.
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