Kolisko, Alexander (1857-1918), Anatom

Kolisko Alexander, Anatom. * Wien, 6. 11. 1857; † Wien, 23. 2. 1918. Bruder der beiden Folgenden; stud. Med. an der Univ. Wien, 1881 Dr.med., 1880/81 Demonstrator, 1881/82 provisor. Ass., 1882 (April-Sept.) Demonstrator, 1882 (Okt.) bis zur Erlangung der Professur Ass. am Patholog.-anatom. Inst., ab 1890 auch Prosektor-Adj. des Allg. Krankenhauses in Wien. 1888 für patholog. Anatomie habil., wurde K. 1893 Supplent und Leiter des Patholog.-anatom. Inst., 1892 ao. Prof. der patholog. Anatomie, 1898 o. Prof. der gerichtlichen Med., 1916 o. Prof. der patholog. Anatomie, Hofrat und Landesgerichtsanatom. K., vor allem Morphologe und Anhänger der makroskop. Methode, beschäftigte sich anfangs mit Problemen der Pathol. der Geschwülste und der Infektionskrankheiten und besonders mit Arbeiten über die Zirkulationsverhältnisse im Gehirn, welchen große Bedeutung in der prakt. forens. Med. zukommt. Während seiner Tätigkeit an der gerichtsmed. Lehrkanzel suchte er stets das in seiner Antrittsvorlesung vorgezeichnete Programm zu verwirklichen, nämlich die Weiterentwicklung der gerichtlichen Med. auf patholog. anatom. Grundlage unter Anwendung aller neueren Errungenschaften der patholog. Anatomie und ihrer Hilfswiss. Von seinen Arbeiten ist vor allem das mit K. Breus verfaßte Werk über die patholog. Beckenformen hervorzuheben, welches noch heute als unübertroffenes Standardwerk gilt, ebenso wie die Untersuchung über den plötzlichen Tod aus natürlicher Ursache, die K. auf Grund des großen Untersuchungsgutes seines Inst. ausarbeitete und welche die erste systemat. umfassende Darstellung dieses Gebietes vom anatom. Standpunkte aus ist. Durch seine Arbeit über den Einfluß der CO-Vergiftung auf das Großhirn wurde er zu einem der Pioniere auf dem Gebiet der Angio-Architektonik des Gehirns. K., ein ausgezeichneter Lehrer und Prosektor, beherrschte hervorragend die Kunst des patholog.-anatom. Beschreibens und des Entwerfens prägnanter Krankheitsbilder und machte sich auch durch die Förderung der Bestrebungen St. Jellineks, des Schöpfers der Elektropathol., und durch die Übernahme von Jellineks Smlg. in das Gerichtsmed. Mus. verdient. Sein Vater Eugen K. (* Wien, 17. 11. 1811; † Wien, 4. 7. 1884), 1836 Dr.med., wurde 1847 Univ.-Doz. für Auskultation und Perkussion, 1857 Primarius der Abt. für Brustkranke am Allg. Krankenhaus in Wien, 1873 übernahm er die Cholera-Abt.; ab 1876 Senior der Primarärzte des Allg. Krankenhauses, vertrat er als solcher zeitweise den Dir. Er war mit Luise, der Schwester des Staatsmannes Alexander Frh. v. Bach (s. d.), verheiratet.

W.: Zur Kenntnis des Carcinoma psammosum ovarii, in: Med. Jbb., 1884; Über congenitale Herzmyome, ebenda, 1887; Zum Wesen des Croups und der Diphtherie, gem. mit R. Paltauf, in: Wr. klin. Wiss., Jg. 2, 1889, S. 147 ff.; Das polypöse Sarkom der Vagina im Kindesalter, ebenda, S. 109 f., 130 ff., 159 ff., 182 ff., 202 ff., 222 ff.; Über die Beziehung der Arteria chorioidea anterior zum hinteren Schenkel der inneren Kapsel des Gehirnes, in: Smlg. med. Schriften, n. 21, 1891; Beitrr. zur Kenntnis der Osteomyelitis, gem. mit E. Albert, 1896; Das Verhältnis der patholog. Anatomie zur gerichtlichen Med., in: Wr. klin. Ws., Jg. 11, 1898. S. 1050 ff.; Die patholog. Beckenformen, gem. mit K. Breus, 3 Doppelbde., 1900–1912; Plötzlicher Tod aus natürlicher Ursache, in: Hdb. der ärztlichen Sachverständigen-Tätigkeit, hrsg. von P. Dittrich, Bd. 2, 1913; Die symmetr. Encephalomalacie in den Linsenkernen nach CO-Vergiftung, in: Beitrr. für gerichtliche Med. 2, 1914; etc. Hrsg.: E. v. Hofmann, Lehrbuch der gerichtlichen Med. . . ., 9. Aufl., 1902/03 und 9. Aufl., neue Ausgabe, 1909; Beitrr. zur gerichtlichen Med., 2 Bde., 1911–14; Beitrr. für Realenc. der gesamten Heilkde., hrsg. von A. Eulenburg, 15 Bde., 1880–83; etc.
L.: Wr. klin. Ws., Jg. 31, 1918, S. 265 f.; WMW 1918, Sp. 397, 522 ff.; Verhh. der dt. patholog. Ges., 1937, S. 386 ff.; Fischer 1, S. 797 f.; Lesky, s. Reg; Pagel (Eugen K.); Anzeiger der Ges. der Ärzte in Wien, 1885, S. 156 (Eugen K.); U. A. Wien; Mitt. H. Chiari, Wien.
(Red.)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 16, 1966), S. 83
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