Kothgasser (Kothgassner, Kottgassner), Anton (1769-1851), Porzellanmaler und Glasmaler

Kothgasser (Kothgassner, Kottgassner) Anton, Porzellan- und Glasmaler. * Wien, 9. 1. 1769; † Wien, 3. 6. 1851. Sohn eines Gastwirtes. Früh verwaist, lebte er bei seinem Schwager, dem Porzellanmaler J. Petter. Am 27. 11. 1781 trat er in die Wr. Kunstakad. ein, 1784 kam er an die Wr. Porzellanmanufaktur, wo er als Dessin- und Goldmaler bis 1840 tätig war. Mit seiner Malernummer 96 sind zahlreiche Porzellane, vorwiegend Schalen und Untertassen (Österr. Mus. für angewandte Kunst in Wien) sowie Teller (Hoftafel- und Silberkammer in Wien) bezeichnet, die sich alle durch hervorragende Ornamentkomposition und äußerst exakten Reliefgolddekor auszeichnen, deren figurale oder landschaftliche Darstellungen aber nicht immer von K.s Hand stammen. Ihre Vollkommenheit macht sie zu begehrten Sammelobjekten. Die bisher bekannt gewordenen Porzellane mit seiner Malernummer liegen jedoch alle vor dem Jahre 1810. Ab 1812/13 betätigte sich K. auch als Glasmaler. Unter dem Einfluß G. S. Mohns verfertigte er „alle Arten von Mahlereyen auf Trinkgläsern und Fenstertafeln“. In der Frühzeit bevorzugte K. die auch von Mohn verwendete Zylinderbecherform. Seit 1815 bemalte er ausschließlich die mit einem vortretenden und facettierten Fußwulst versehenen Ranftbecher. Die Gläser sind mit allen jenen Themen bemalt, die auch in der Porzellanmalerei üblich waren: Stadtansichten, Landschaften, Porträts, Blumen- und Tierstücke, Allegorien, Embleme, Monogramme und Ornamente. Wie die aus dem Nachlaß K.s stammenden Einschreibebüchlein (heute Mus. des Corning Glass Center in USA) erkennen lassen, machte er viele Tausende von Glasarbeiten — überwiegend Trinkgläser aller Art. Aber auch für diese wurden — wie aus den Einschreibebüchlein hervorgeht — die figuralen und landschaftlichen Szenen zumeist von K.s Malerkollegen aus der Porzellanmanufaktur verfertigt, so z. B. von dem Landschaftsmaler Schufried oder dem Blumenmaler Fratiny und dem Figurenmaler Lamprecht. K. war demnach für eine Glasveredlung zuständig, die er sicher nur mit Zustimmung seiner Dienststelle durchgeführt hat, da seine Arbeiten auch im Verkaufsmagazin der Porzellanmanufaktur feilgeboten wurden. Von den für K. gesicherten Gläsern verdienen jene Erwähnung, die wie der Becher mit der „großen Rosen Parthy“ (1828), der Darstellung des „Urthelsteines“ (1828) und der Deckelpokal mit der Allegorie auf die Geburt K. Franz Josephs (1830) aus dem Nationalfabriksproduktenkabinett des Polytechn. Inst. stammen (Österr. Mus. für angewandte Kunst in Wien). Von K.s Tafelglasmalereien sind durch Signatur die Turnierfenster im Wohnzimmer des Vogtes in Schloß Laxenburg gesichert. Aber auch die Veduten des ung. Krönungssaales werden ihm zugeschrieben. Zu seinen weiteren Arbeiten gehören die 1811–20 ausgeführten kleineren Heiligenscheiben für die Pfarrkirche in Feistritz am Wechsel, das um 1828 für Erzh. Johann gemalte Mittelfenster des großen Saales in Schloß Brandhof (Stmk.), zwei Fenster für die Ritterkapelle der Stiftskirche in Seitenstetten (1828) und die Fenster für den Dom in Turin.

L.: Thieme–Becker; Wurzbach; G. E. Pazaurek, Gläser der Empire- und Biedermeierzeit, 1923, S. 188 ff.; R. Schmidt, Die Gläser der Smlg. Mühsam, 1926, S. 66; I. Schlosser, Das alte Glas, 1956, S. 247 ff.; Alte und moderne Kunst, Jg. 7, 1962, n. 58/59, S. 40 ff.; R. Feuchtműller–W. Mrazek, Biedermeier in Österr., 1963, S. 98, 100 ff.; Journal of Glass Studios, vol. VI, 1964, S. 123 (The Corning Museum of Glass); B. Klesse, Beschreibender Katalog der Glassmlg. Helfried Krug, 1965, S. 251; Beschreibender Katalog der Ausst. von Gläsern. Wien, 1922, S. 67 ff.; Ausstellungskatalog Biedermeier in Österr., 1962, n. 697–704; Ausstellungskatalog Romant. Glasmalerei in Laxenburg, 1962, S. 54 ff.; Versteigerungskatalog der Beck Collection, Sotheby, London, 1964; Ausst. 150 Jahre Wr. Kongress, 1965, S. 410 ff.; Katalog des Kunstmus. Düsseldorf, Glas, 1966.
(Mrazek)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 17, 1967), S. 159
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