Krafft, Guido (1844-1907), Agronom

Krafft Guido, Agronom. * Wien, 15. 12. 1844; † Wien, 21. 2. 1907. Sohn des Orientalisten und Kunstschriftstellers Albrecht K. (s. d.), Enkel des Folgenden, Großneffe des Malers Josef K. (s. d.), Neffe der Malerin Marie K. (s. d.); stud. am Polytechn. Inst. und an der Univ. Wien, anschließend absolv. er 1864 die k. k. höhere landwirtschaftliche Lehranstalt in Ung.-Altenburg und praktizierte dann auf großen Domänen der Fürsten Lobkowitz und Schwarzenberg. Er unternahm große Studienreisen nicht nur in viele Teile der Österr.-Ung. Monarchie, sondern auch nach Deutschland, Schweden, Dänemark, Frankreich, Italien und in die Schweiz, wurde 1866 Ass. und 1869 suppl. Prof. an der höheren landwirtschaftlichen Lehranstalt in Ung.-Altenburg. 1869 Dr.phil. der Univ. Jena. Nach Übergabe der Lehranstalt in Ung.-Altenburg an die ung. Regierung habilit. er sich 1870 am k. k. Polytechn. Inst. in Wien als Priv.Doz. für Getreidebau unter besonderer Berücksichtigung des landwirtschaftlichen Maschinenwesens. 1880 tit. ao. Prof., 1884 ao. und 1896 o. Prof. für Land- und Forstwirtschaft. 1900–02 Dekan der Allg. Abt., 1902/03 Rektor. K. war ab 1886 Mitgl. des Privilegien– Fachkomitees für landwirtschaftliche Privilegienangelegenheiten, ab 1899 Rat des Patentgerichtshofes. Seine zahlreichen Veröff. erstrecken sich über das Gesamtgebiet der Landwirtschaft; er schrieb ebenso über die Aufnahme der Bodennährstoffe oder die Metamorphose der Maispflanze wie über landwirtschaftliche Maschinen und Geräte oder über betriebswirtschaftliche Fragen. 1875 gründete er die Z. „Österreichisches Landwirtschaftliches Wochenblatt“, deren Redaktion er bis zu seinem Tode innehatte. K., zu seiner Zeit einer der besten Fachleute auf dem Gesamtgebiet der Landwirtschaft, war Mitgl. des Zentralausschusses der Landwirtschaftlichen Ges. in Wien, Direktoriumsmitgl. und Gründungsmitgl. des Ver. für Güterbeamte und Vorstandsmitgl. des Klubs für Land- und Forstwirte. Neben seinen fachlichen Leistungen sollen auch seine großzügigen Stiftungen, sowohl für Angehörige von Güterbeamten als auch für Studenten der Techn. Hochschule, erwähnt werden.

W.: Ackerbaulicher Unterricht, 1868; Die Aufnahme der Bodennährstoffe durch die Pflanze, 1870; Die normale und anormale Metamorphose der Maispflanze, Diss. (Ung.-Altenburg), 1870; Die Internationale Getreidemähmaschinen-Konkurrenz zu Ung.-Altenburg, gem. mit W. Hecke, 1870; Der landwirtschaftliche Pachtvertrag, 1871; Meteorolog. Fortschritte, 1871; Ein Großgrundbesitz der Gegenwart. Monograph. Skizze der Besitzungen des Fürstenhauses Schwarzenberg in Böhmen, 1872; Lehrbuch der Landwirtschaft auf wiss. und prakt. Grundlage, 4 Bde., 1875–78, Bd. 1 und 3, 8. Aufl. 1906, Bd. 2 und 4, 7. Aufl. 1903–04; Die Gesetze des Erfolges, in: Z. für das Landwirtschaftliche Versuchswesen in Österr., Jg. 1, 1, 1898; Bodenkultur und Technik; Inaugurationsrede, 1902/03; etc. Bearb.: Landwirtschaftlicher Tl. in Meyers Konversationslex., 5. Aufl., 1892; Mithrsg.: A. Thears Grundsätze der rationellen Landwirtschaft, 1880, Illustriertes Landwirtschaftslex., 1884, 3. Aufl. 1899; Österr. Landwirtschaftliche Bücherei, ab 1890; Frommes österr.-ung. Landwirtschaftskalender, 1876 ff.; etc.
L.: N. Fr. Pr. und Fremdenbl. vom 21. 2., Wr. Ztg. vom 22. 2., R. P. und Österr. Landwirtschaftliches Wochenbl. vom 23. 2. 1907; Die Zeit, Neues Wr. Journal, Ill. Wr. Extrabl. und Neues Wr. Tagbl. vom 24. 2. 1907; Wr. Landwirtschaftliche Ztg. und Dt. Landwirtschaftliche Pr. vom 27. 2. 1907; III. Landwirtschaftliche Ztg. vom 6. 3. 1907; Österr. Forst- und Jagdztg. vom 8. 3., Das Interessante Bl. vom 17. 3. 1907; Wr. Landwirtschaftliche Ztg. vom 11. 3. und N. Fr. Pr. vom 21. 5. 1911; Z. für das Landwirtschaftliche Versuchswesen in Österr. 10, 1907, S. 77 f.; Zentralbl. für das gesamte Forstwesen 23, 1907, S. 131 f.; J. Neuwirth, Die k. k. Techn. Hochschule in Wien, 1915; A. Lechner, Geschichte der Techn. Hochschule in Wien, 1942; Kosch, Das kath. Deutschland; Wer ist’s? 1905.
(Ehrendorfer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 17, 1967), S. 188
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