Kraskovits, Guido (1881–1907), Botaniker

Kraskovits Guido, Botaniker. Geb. Wien, 17. 11. 1881; gest. Kandy, Ceylon (CL), 16. 3. 1907; röm.-kath. Unehelicher Sohn der Anna Kraskovits, Mündel des Notars Rudolf Ritter von Winterhalder. – Nach Ablegung der Matura am Piaristengymnasium (Wien 8) 1901 studierte K. an der philosophischen Fakultät der Universität Wien im Hauptfach Botanik sowie Zoologie als Nebenfach. Im Frühjahr 1903 besuchte er den jährlichen Kurs über Meeresalgen an der zoologischen Station in Triest und hielt sich im Sommer für zwei Monate in Bergen auf, wo er einen ozeanographischen Kurs absolvierte. Die wissenschaftlichen Resultate dieser Arbeit wurden unter dem Titel „Über Algenvegetation an Norwegens Westküste (bei Bergen)“ (in: Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereines an der Universität Wien 2, 1904) publiziert. Ebenfalls 1903 erhielt K. von dem Kurator Richard von Wettstein einen Staatsplatz an der Biologischen Versuchsanstalt im Wiener Prater, der es ihm ermöglichte, für zwei Semester die Grundlagen der Algenkunde zu studieren. Bis 1905 arbeitete er zudem am Botanischen Institut der Universität Wien unter Wettstein an der Fertigstellung seiner algologischen Dissertation. Diese wurde approbiert und erschien als „Ein Beitrag zur Kenntnis der Zellteilungsvorgänge bei Oedogonium“ (in: Sitzungsberichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, mathematisch-naturwissenschaftliche Classe 114, 1905), dennoch kam es zu keiner Promotion und zu keinem formalen Abschluss des Studiums. Im Frühjahr 1905 hielt sich K. zu botanischen Studien auf Korfu auf und entdeckte einen neuen Standort einer seltenen Ragwurz-Art, die Hans Fleischmann in der gemeinsamen Publikation „Interessante Orchideen aus Corfu“ (in: Österreichische botanische Zeitschrift 57, 1907) detailliert als Ophrys reinholdii beschrieb. Bedeutende Arbeit leistete K. auf dem Gebiet der Vegetationsphotographie, viele Originalaufnahmen befinden sich noch heute im Besitz der Universität Wien. Im Rahmen des Wiener botanischen Abends im Jänner 1905 zeigte er eine reiche Sammlung von Vegetationsbildern aus den österreichischen Alpen, auf dem Internationalen botanischen Kongress in Wien desselben Jahres stellte er Pflanzenbilder aus Korfu aus, wofür er ein Preis-Diplom erhielt. Im folgenden Jahr photographierte K. die Vegetation des österreichischen Küstenlands und betrieb Pflanzenaufsammlungen. Schon ab etwa 1902 kränklich, verstarb er 1907 während einer Reise auf Ceylon. K. war ab 1903 Mitglied der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien und wurde 1905 zum o. Mitglied der deutschen botanischen Gesellschaft ernannt.

L.: Berichte der deutschen botanischen Gesellschaft 23, 1905, S. 61, 24, 1906, S. (89), 25, 1907, S. 177; Verhandlungen des Internationalen botanischen Kongresses in Wien 1905, ed. R. v. Wettstein u. a., 1906, S. 72, 80; Österreichische botanische Zeitschrift 57, 1907, S. 175; Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereines an der Universität Wien 5, 1907, S. 104; La nuova Notarisia 18, 1907, S. 176; H. Przibram, in: Zeitschrift für biologische Technik und Methodik, Ergänzungsheft 1910, S. 19; K. W. v. Dalla Torre – L. v. Sarnthein, Flora der gefürsteten Grafschaft Tirol … 6/4, 1913, S. 90; J. H. Barnhart, Biographical notes upon botanists 2, 1965; UA, Wien (mit Bild).
(M. Svojtka)   
Zuletzt aktualisiert: 30.11.2015  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 4 (30.11.2015)
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