Kratky-Baschik, Anton; eigentl. Kratky Anton (1821–1889), Zauberkünstler und Musiker

Kratky-Baschik Anton, eigentl. Kratky Anton, Zauberkünstler und Musiker. Geb. Kožlan, Böhmen (Kožlany, CZ), 11. 1. 1810; gest. Wien, 28. 8. 1889; röm.-kath. Sohn des Krämers Karl Kratky und dessen Frau Barbara, geb. Bašsika, Onkel von Mathias Kratky (1838–1903), der K. als Gehilfe und Geschäftsführer auf seinen Reisen begleitete. – K. gab zunächst als Mundharmonikaspieler Konzerte, ehe er 1850 während seiner Reisen in Berlin die Bekanntschaft des Zauberkünstlers Samuel Bellanchini machte. Nachdem dieser ihn für einen musikalischen Part seiner Vorstellungen engagiert hatte, erlernte K. bei ihm die Zauberei. Der erste gemeinsame Auftritt soll im März 1850 in Nordhausen stattgefunden haben. In der Folge kombinierte K. geschickt und publikumswirksam Musik und Zauberkunst und bereiste Europa mit einem eigenen Programm, in dem v. a. physikalische und optische Versuche zur Darbietung kamen. Um diese Zeit fügte er seinem Namen den Namen Baschik hinzu. Im August 1852 gab er seine erste öffentliche Vorstellung als Zauberer in Posen und trat im August jenes Jahres in Kissingen vor dem König von Schweden auf. Im Oktober 1854 ist K. in Baden-Baden nachweisbar. In England wurde der bekannte Schauspieler P. T. Barnum auf ihn aufmerksam, verpflichtete ihn und reiste mit ihm zwei Jahre lang mit dem Programm „The Greatest Show on Earth“ und „The Slavian Musicalmarvel“. K. trat aber auch allein auf, etwa in Irland und England, wo er sich als Zauberkünstler im November 1858 vor der Königin auf Schloss Windsor produzierte. Diese soll von seinen musikalischen Variationen – K. spielte gleichzeitig auf vier abgestimmten Mundharmonikas – so angetan gewesen sein, dass sie ihm nach dessen eigenen Angaben den Titel „Virtuos und Physiker S. M. der Königin von England“ verlieh. 1861 kehrte er nach Deutschland zurück und trat in verschiedenen großen Städten auf. Sein Repertoire umfasste zu diesem Zeitpunkt 51 Kunststücke (Die fliegenden Karten, Der magnetische Degen, Das reisende Geld, Die chinesische Henne, Die folgsamen Karten, Die Taubenpost, Die Vermehrung der Karten, Der Zauberschleier, Wilhelm Tells Meisterschuss, Der Geldregen, Die Fahnenvermehrung, Der Zauberhut, Die Blumenvasen, Der Kegel durch den Hut, Die Glocke von Notre Dame, Die unerklärliche Verwandlung eines Herrn in eine Dame etc.). Daneben spielte er auf den von ihm selbst erfundenen Instrumenten Melodicon, einem Horn, und dem Phys l’Harmonicor. Manche dieser Instrumente wurden später von Musikclowns verwendet. Ab 1864 gastierte er im Wintergarten des Dianasaals in Wien, im folgenden Frühjahr errichtete er auf der Feuerwerkswiese im Prater ein festes Theater für ein Jahr. 1865 war K. in Temeswar, 1867 in Laibach und Klagenfurt zu finden. 1868 nach Wien zurückgekehrt, gab er in seinem Theater in der Johannesgasse 22 über 260 Vorstellungen und trat zwischendurch im Prater in der sogenannten Feuerwerksallee auf. Erst später errichtete er wieder ein Theater mit bis zu 1.000 Plätzen im Prater, das an den Wochenenden fast immer ausverkauft war. Es gehörte zum guten Ton, K. gesehen zu haben, und sein Name wurde in Wien für viele Jahre zum geflügelten Wort. K.s langjähriger Famulus Georg, alias Julius Proksch, der als „Teufel vom Kratky-Baschik“ eine der populärsten Wiener Figuren war, agierte – mit feurig roten Hörnern und einer zottigen Perücke ausstaffiert – als kleiner, buckliger Mann mit krummen Beinen jahrzehntelang in den Vorstellungen. In den 1880er-Jahren ließ K.s Sehkraft nach, doch noch fast blind gab er Vorstellungen. Nach seinem Tod traten Mathias Kratky und der Zauberkünstler Georg Heubeck in K.s Maske auf. Sein Zaubertheater überdauerte ihn noch mehr als 20 Jahre, zuerst unter der Leitung seines Neffen Mathias, dann unter der Führung von →Ottokar Fischer unter dem Namen O. F. Marteau. 1911 wurde es geschlossen, nachdem ein Zuschauer die groß dimensionierte Glastafel für die Geisterprojektionen zerstört hatte.

L.: NFP, 28. (Abendausg.), 30. (Parte), Neuigkeits-Welt-Blatt, 30. 8. 1889; Czeike; W. Lukesch, in: Die Zauberwelt, September 1897, S. 129; K. Volkmann, in: Magie, 1957, S. 70; Sammlung Magic Christian, Wien; Pfarre Kožlany, CZ.
(Magic Christian)   
Zuletzt aktualisiert: 25.11.2016  
PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 5 (25.11.2016)
1. AUFLAGE: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 18, 1968), S. 215
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