Kraus, Felix von (1870-1937), Sänger

Kraus Felix von, Sänger. * Wien, 3. 10. 1870; † München, 31. 10. 1937. Sohn des Generalstabsarztes Carl v. K. (* 1837), Enkel des Vorigen; als Kind erhielt er Unterricht auf der Violine, später auch in Musiktheorie. Er besuchte das Schottengymn. in Wien und stud. an der Univ. Musikwiss. unter E. Hanslick (s. d.). Nach seiner Promotion (1894) widmete er sich ganz dem Gesangsstud., das er, abgesehen von zwei Monaten Lehrzeit bei J. Stockhausen in Berlin, auf Anraten Brahms’ autodidakt. betrieb. Nach kurzer Zeit bereits begann er eine glänzende Laufbahn als Konzertsänger. Ab 1899 sang er nach Aufforderung durch Cosima Wagner auch in Bayreuth (Hagen, Gurnemanz, später auch Landgraf, Marke, Titurel). 1908 wurde er von F. Mottl als Lehrer an die Akad. der Tonkunst in München geholt, wo er bis zu seiner Pensionierung 1935 wirkte. Seine letzten Jahre verbrachte er größtenteils in Zell am Ziller (Tirol). K. stand in persönlichem Kontakt mit A. Bruckner (s. d.), J. Brahms (s. d.), der ihn sehr förderte und mit großer Auszeichnung behandelte, E. Mandyczewski, F. Chrysander, der Familie Wagner, F. Mottl u. a. Seine eigentliche Domäne als Sänger waren Lied (besonders Brahms und dessen „Vier ernste Gesänge“) und Oratorium; auf dem Gebiet der Oper wirkte er trotz großer Erfolge nur selten und trat außer in Bayreuth nur als Gast in Wien, München und London auf. K., herzoglich meiningischer und k. k. österr. Kammersänger, war ab 1899 mit der Sängerin Adrienne Osborne (1873–1951) verheiratet.

W.: Biographie des k. k. Vice-Hof-Kapellmeisters Antonio Caldara. Samt themat. Katalog der Kirchenwerke, 2 Bde., phil. Diss. Wien, 1894; Begegnungen mit Anton Bruckner, Johannes Brahms, Cosima Wagner. Aus den Lebenserinnerungen von Dr. F. v. K. . . . zusammengestellt und ergänzt von Dr. F. v. Kraus, o. J.
L.: Allg. Musikztg., Jg. 64, 1937, S. 675; (Neue) Z. für Musik, Jg. 104, 1937, S. 1373 f.; Jb. der Musikbibl. Peters, Jg. 24 für 1937, 1938, S. 100; Bühne und Welt, Jg. 10, 1908; Eisenberg; Frank-Altmann; C. Hagemann, Dt. Künstler um die Jahrhundertwende, 1940; Kosch, Theaterlex.; Riemann; Kosch, Das kath. Deutschland; Wer ist’s?, 1911.
(Antonicek)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 18, 1968), S. 224f.
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