Kraus, Franz (1834-1897), Speläologe und Kaufmann

Kraus Franz, Kaufmann und Höhlenforscher. * Wien, 28. 2. 1834; † Wien, 12. 1. 1897. Sohn des Inhabers einer Zwirn- und Wollspinnerei in Wien; wurde für den Kaufmannsberuf erzogen, trat in das väterliche Geschäft ein und führte dieses kurze Zeit. 1872 zog er sich ins Privatleben zurück, um seinen naturwiss. Neigungen leben zu können. 1875 Mitgl. der k. k. Geograph. Ges. in Wien, 1876 Mitbegründer des Wissenschaftlichen Clubs in Wien, 1877 Mitgl., dann Ausschußrat des Österr. Touristenklubs, 1878 Korrespondent der k. k. Geolog. Reichsanstalt in Wien. 1879 wurde über K.s Initiative in Wien ein „Verein für Höhlenkunde“ (die älteste ausschließlich auf dem Gebiete der Höhlenkunde tätige wiss. Ges. der Erde) gegründet (2. Vizepräs.), der sich „die Erforschung der österr. Höhlen, die Verbreitung ihrer Kenntnis, die Sorge für die Erleichterung und Vermehrung ihres Besuches“ zur Aufgabe gestellt hatte. 1881 wurde der Ver. in die Sektion für Höhlenkunde des Österr. Touristenklubs übergeführt (Vizepräs.), die 1889 in der Sektion für Naturkde. des genannten Ver. aufging. Die Sektion gab als erste höhlenkundliche Fachz. die „Mitteilungen der Sektion für Höhlenkunde des Österreichischen Touristenklubs“ heraus. 1879/80 erfolgreiche Höhlenforschungen und Grabungen im Salzkammergut, 1881/82 vorbildliche Erschließung des „Anerlbauerloches“ (nachmals „Krausgrotte“, wo K. ein Denkmal errichtet wurde) bei Gams bei Hieflau als Schauhöhle für den Fremdenverkehr. 1885 wurde über K.s Initiative ein Karstkomitee gegründet, das die Voruntersuchungen für Meliorationsarbeiten in Kesseltälern des Krain. Karstes leistete, die dann durch das k. k. Ackerbaumin. und die Landesregierung in Krain erfolgreich durchgeführt wurden. Als sein Lebenswerk sammelte K. das gesamte zerstreute höhlenkundliche Wissen seiner Zeit und gliederte es systemat. in seiner „Höhlenkunde“. K. erhob damit die Kenntnis von den Höhlen und Karsterscheinungen von der Stufe einer romant. tourist. Liebhaberei zu einem exakten, wohlumrissenen Wissensgebiet und erkannte und pflegte auch dessen prakt. Seite in der Höhlenwirtschaftskde.

W.: Über alpine Höhlen, in: Jb. des österr. Touristenklubs, 1880–81; Neue Funde von Ursus spel, im Dachsteingebiet, in: Jb. der k. k. Geolog. Reichsanstalt, 1881; Chronik von Goisern, 1881; Entwässerungsarbeiten in den Kesseltälern Krains, in: Dt. Rundschau für Geographie und Statistik, 1887/88 ( = Ws. des Österr. Ing.- und Architektenver., 1888); Der Karst, in: Die Österr.Ung. Monarchie in Wort und Bild, Bd. 8, 1891; Die Grotten und Höhlen des Karstes, in: Hartlebens Neue Reisebücher, Unterwegs 7, 1893; Höhlenkde. Wege und Zweck der Erforschung unterird. Räume, 1894; zahlreiche Aufsätze und Notizen in den Mitt. der Sektion für Höhlenkde. des Österr. Touristenklubs, Österr. Touristenztg., Das Ausland, Globus, Gaea, Stein der Weisen, Petermanns Mitt. etc.
L.: Mitt. der anthropolog. Ges. in Wien 27, 1897, S. 189; Monatsbll. des wiss. Klubs 18, 1897, S. 28; Mitt. DÖAV, 1897, S. 17; Österr. Touristenztg. 17, 1897, n. 3; Verhh. der k. k. Geolog. Reichsanstalt, 1897, n. 2; Spelunca 3, 1897, n. 9/10; Speläolog. Jb. XV/XVII, 1934/36.
(Salzer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 18, 1968), S. 225f.
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