Kraus, Rudolf (1868-1932), Bakteriologe

Kraus Rudolf, Bakteriologe. * Jungbunzlau (Mladá Boleslav, Böhmen), 31. 10. 1868; † Santiago de Chile, 16. 7. 1932.  Stud. an der Univ. Prag, 1893 Dr. med., 1894 Ass. an der Klinik Neusser in Wien; nach kurzem Studienaufenthalt am Pasteur-Inst. in Paris wurde er 1895 von Paltauf in das von ihm begründete Serotherapeut. Inst. am Rudolfspital in Wien berufen. 1901 Priv.Doz. für allg. und experimentelle Pathol. an der Univ. Wien, 1906 tit. ao. Prof., 1908 stud. er in St. Petersburg während der großen Choleraepidemie die Behandlung der Cholera mit Cholera-Serum und erhielt im bulgar.-türk. Kriege eine Berufung als beratender Hygieniker. 1913 ging er nach Südamerika, wirkte bis 1921 als Dir. des Bakteriolog. Inst. in Buenos Aires, 1921–23 als Dir. des staatlichen Serotherapeut. Inst. zur Erzeugung von Serum gegen Schlangenbisse in Butantan in Sao Paolo. 1924 unbesoldeter ao. Prof. an der Univ. Wien (Wiederverleihung), 1924–29 Leiter des Serotherapeut. Inst. in Wien, 1929 Dir. des Istituto bacteriologico de Chile in Santiago de Chile. K. hatte großen Anteil an der Gründung der Dt. Mikrobiolog. Ges., gründete 1925 die Wr. Mikrobiolog. Ges. und wurde 1930 Gen.-Sekretär der Internationalen Mikrobiolog. Ges. K. gelang die Entdeckung der Immunpräzipitine (1897), welche zum Ausgangspunkt anderer wichtiger Entdeckungen wurden, insbesondere der spezif. biolog. Eiweißdifferenzierung durch Uhlenhuth. Sie ermöglichte das Verständnis der Immunkörper-Reaktion. Auch die Lyssaforschung verdankt ihm, dem großen Verfechter der antitox. Serumtherapie, und seinen damaligen Mitarbeitern bedeutende Ergebnisse. Er lieferte auch für die Karzinom-, Diphtherie- und Tuberkulose-Forschung wertvolle Beiträge und betrachtete nicht nur die Erzeugung hochwirksamer und einwandfreier Schutz- und Heilstoffe, sondern auch die Entwicklung neuer Präparate und die Förderung der Mikrobiol. und Immunol. als Hauptaufgabe des Serotherapeut. Inst.

PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 18, 1968), S. 233f.
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