Kravogl, Johann (1823-1889), Erfinder

Kravogl Johann, Erfinder. * Lana (Südtirol), 24. 5. 1823; † Brixen (Südtirol), 1. 1. 1889. Sohn eines Gerichtsbeamten, Neffe des Folgenden, Cousin der Schriftstellerin Paula K. (s. d.), Onkel des Dichters Josef K. (s. d.); verlor früh seine Eltern, erhielt nur eine äußerst mangelhafte Schulbildung, eignete sich jedoch auf dem Gebiet der Naturwiss., insbesondere dem der Mechanik, ein großes Wissen an. Als gelernter Schlosser arbeitete er für kurze Zeit in München und Wien, wo er in seiner Freizeit an den Techn. Hochschulen einige theoret. Kenntnisse aus Physik erwarb. 1857 kehrte er nach Tirol zurück und war selbständig in Wilten als Mechaniker tätig. 1862 Univ.-Mechaniker. K. baut außer verschiedenen für Unterrichtszwecke bestimmten Geräten 1844 ein Modell einer Preßluftlokomotive, das sich nun im Besitz des Innsbrucker Mus. Ferdinandeum befindet, 1861 eine völlig neuartige Vakuumpumpe (bei der Quecksilber als Kolben diente und die ein wesentlich höheres Vakuum ergab als alle damals bekannten Pumpen) und als sein Hauptwerk 1867 einen nach ganz neuen Gedanken konstruierten Elektromotor („Elektrisches Kraftrad“), welcher an Leistung und Wirkungsgrad alle anderen damals bekannten Konstruktionen übertraf. K. stellte einige seiner Geräte, insbesondere Pumpe und Motor, auf der Pariser Weltausst. 1867 aus, erntete dort große Anerkennung (W. v. Siemens, Gramme), aber keinen wirtschaftlichen Erfolg, da er sich nicht entschließen konnte, eines der ihm gemachten Angebote anzunehmen. Sein Motor ist heute im Besitz des Techn. Mus. in Wien und hat dort einen Ehrenplatz inne. In der Folgezeit arbeitete er am Bau eines Repetiergewehres, 1868 (60 Schuß/Min.), konnte aber auch diese Konstruktion nicht zu einer Verwertung bringen.

L.: Tiroler Bote, 1860, S. 427, 1862, S. 729, 1867, S. 202, 1316, 1868, S. 21, 423, 529, 1437, 1873, S. 610; Tiroler Stimmen, 1862, S. 93, 1867, S. 169, 209, 1868, n. 4, n. 8; Innsbrucker Nachrichten, 1927, n. 135; R. P. vom 7. 7. 1929; Bozner Tagbl., 1945, S. 92; Außerferner Nachrichten, 1955, n. 23; Sbb. Wien, math. nat. Kl., Bd. 44/II, 1862, Bd. 57/II, 1868, Bd. 87/II, 1883; Programm des k. k. Staatsgymn. Innsbruck, 1870; Der Schlern 10, 1929, S. 4, 35, 1961, S. 93; Jahresber. des f. b. Gymn. Vinzentinum, 1937/38; R. Granichstädten-Czerva, J. K., 1929; Elektrotechnik und Maschinenbau, 1942, S. 173 ff.; Notring-Almanach, 1955, S. 34; Österr. Naturforscher; M. Habacher, Österr. Erfinder, 1964; P. Kravogl, Jungmädchenjahre, Erinnerungen, 1917.
(Attlmayr)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 18, 1968), S. 237f.
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