Kreil, Karl (1798-1862), Astronom, Meteorologe und Geophysiker

Kreil Karl, Astronom, Meteorologe und Geophysiker. * Ried (O.Ö.), 4. 11. 1798; † Wien, 21. 12. 1862. Sohn eines Kreiskoärs. für Schulangelegenheiten; besuchte 1810–19 das Stiftsgymn. in Kremsmünster, wo er am dortigen Observatorium bereits bei astronom. und meteorolog. Beobachtungen mithalf. 1819–27 stud. er an der Univ. Wien zuerst Jus, anschließend Mathematik, Physik und Astronomie. 1827 Ass. Littrows an der Wr. Sternwarte. 1831 erhielt er eine Anstellung an der Sternwarte der Brera in Mailand, 1838 Adjunkt an der Sternwarte in Prag, 1845 deren Dir. 1851 übernahm er als erster Dir. die Leitung der neu gegründeten Zentralanstalt für Meteorol. und Erdmagnetismus in Wien und wurde gleichzeitig auch zum o. Prof. für Physik an der Univ. ernannt. Bereits als Ass. der Wr. Sternwarte erwarb er sich einen guten Ruf als gewissenhafter Beobachter. Seine ersten Veröff. betrafen den Gebrauch des damals noch wenig bekannten Äquatorials und seine Smlg. von mathemat. Formeln. Seine astronom. Arbeiten in Mailand behandelten hauptsächlich Kometen- und Mondbeobachtungen. 1834 lernte K. das neue Magnetometer von Gauß kennen und machte damit regelmäßig Beobachtungen, die ihm von Gauß, Humboldt und anderen große Anerkennung eintrugen und deren Ergebnisse er 1839 veröff. Auch in Prag und später in Wien hat K. sich sehr intensiv den magnet. Beobachtungen gewidmet. Ihm gebührt das Verdienst, diese in Österr. eingeführt und die ersten magnet. Landesaufnahmen nicht nur des Kaiserstaates Österr., sondern auch von Ländern des Balkans, der Türkei und des Gebietes des adriat. Meeres durchgeführt zu haben. Damit hat er ein Vorbild für magnet. Landesaufnahmen geschaffen und wichtige Grundlagen für die Entwicklung der Theorie des Erdmagnetismus geliefert. In Prag widmete sich K. neben den magnet. auch den meteorolog. Beobachtungen und entwickelte einen Plan für ein meteorolog. Beobachtungsnetz. Der Mangel an ständigen Beobachtern führte ihn zur Konstruktion von Registriergeräten für den Luftdruck, die Temperatur, die Feuchtigkeit, den Wind und den Niederschlag. Die Errichtung und den Ausbau des meteorolog. Beobachtungsnetzes hat er später als Dir. der Zentralanstalt für Meteorol. und Erdmagnetismus mit größter Intensität betrieben. Er ist daher mit Recht als Begründer der systemat. Durchforschung Österr. auf dem Gebiete der Meteorol. und des Erdmagnetismus zu bezeichnen. K. hatte auch die Absicht, die meteorolog.Beobachtungen zu einer Klimatol. der einzelnen Kronländer Österr. zu verarbeiten, konnte aber nur mehr die Klimatographie Böhmens fertigstellen, die nach seinem Tode von der Akad. der Wiss. veröff. worden ist. Vielfach geehrt und ausgezeichnet, u. a. ab 1847 Mitgl. der Akad. der Wiss. in Wien.

W.: Osservazioni sull’intensità e sulla direzione della forza magnetica istituite negli anni 1836, 1837, 1838 all’I.R. Osservatorio di Milano, 1839; Magnet. und meteorolog. Beobachtungen zu Prag, Jg. 1–9, 1839–49; Astronom.-meteorolog. Jb. für Prag, 1842–45; Magnet. und geograph. Beobachtungen im österr. Kaiserstaate, 5 Bde., 1846–51; etc. Zahlreiche Abhh. in den Annalen der Wr. Sternwarte, in den Mailänder Ephemeriden, in den Abhh. der kgl. böhm. Ges. der Wiss. und in den Denkschriften und Sbb. Wien.
L.: Almanach Wien, 1863; Poggendorff; Krackowizer; Wurzbach; Kosch, Das kath. Deutschland; ADB; Denkschriften Wien, math.nat. Kl. 1901, Bd. 73, S. V-XIV.
(Steinhauser)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 18, 1968), S. 245
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>