Krieg von Hochfelden, Edith Freifrau; geb. Gfn. von Salburg, Ps. Edith Salburg (1868-1942), Schriftstellerin

Krieg von Hochfelden Edith Freifrau, Ps. Edith Salburg, geb. Gfn. von Salburg, Schriftstellerin. * Schloß Leonstein b. Steyr (O.Ö.), 14. 10. 1868; † Dresden, 3. 12. 1942. Die verinnerlicht-gläubige und nächstenliebende Haltung ihres Vaters wirkte seit der Kindheit stark in ihr nach. Sie erhielt Privatunterricht im Haus ihrer Eltern in Graz, besonders in Geschichte und Literaturwiss. Entscheidende Anregungen empfing sie u. a. von P. Rosegger und R. Hamerling (s. d.). 1898 heiratete sie Franz Frh. K. v. H. (* 1857), einen Neffen Benedeks (s. d.) und Enkel des Folgenden. Ihres kranken Mannes wegen in Arco (Trentino) lebend, gewann sie dort Einblick in Grenzlandprobleme, die ihre dt.-nationale Einstellung noch bestärkten, die sie jedoch ohne Engstirnigkeit zu beurteilen strebte. Diese grundsätzlich nicht einseitige Haltung war ihr auch in bezug auf Adel und Klerus eigen, deren würdige Vertreter sie – ungeachtet ihrer Polemiken gegen Standesentartungen – immer hochschätzte. 1919 verwitwet und vermögenslos geworden, wurde für K. das Schreiben auch Verdienstnotwendigkeit. Nach mehrjähriger journalist. und Verlags-Arbeit, u. a. als Leiterin des Strom-Verlages, lebte sie ab 1927 in Dresden, von wo aus sie weite Vortragsreisen unternahm. Ihre leidenschaftliche Anteilnahme am Schicksal der schuldlos Notleidenden formte sie mit den Mitteln des Humors und der Satire, der Ironie und der direkten Anklage zu lebendig geschriebenen, auch in themat. Wiederholung immer neu wirksamen Romanen, Gedichten und Dramen. Planvolle Stoffbeherrschung, klarer Aufbau und Sprachgewandtheit kennzeichnen die Durchführung ihrer großangelegten ep. Werke. K. gehörte mit ihrem umfangreichen Gesamtschaffen zu den produktivsten Schriftstellerinnen im ersten Drittel unseres Jh.; ihren „Erinnerungen einer Respektlosen” kommt zeitgeschichtliche Bedeutung zu.

W.: Gedichte, 1888; Neue Gedichte, 1890/91; Seele. Ein Menschenleben in Gedichten, 1897; Die Leute von Spießwinkel (Geschichte), 1927; Dt. Bilderbuch der Zeit, 1931; Robert Zurlahn. Geschichte einer Knabenseele, 1939; Dramen: Der Hochmeister von Marienburg, 1885; Francis Bacon, 1886; Julian der Apostat, 1891; Mirabeau, 1897; Romane: Die österr. Ges. (Tril., Die Exclusiven, Papa Durchlaucht, Die Inclusiven), 1897/98; Was die Wirklichkeit erzählt (Tril., Carriere, Golgatha, Humanitas), 1898–1900; Königsglaube. Die Benedek-Legende, 1906; Wilhelm Friedhoff ( = Tegetthoff), 1907; Dynasten und Stände (Böhm. Herren, Hofadel in Österr., Wenn Könige lieben. Neues vom blauen Blut, Reaktion, Revolution, Die Leidenschaft, Junge Herren), 4 Bde., 1910–14; Psyche des Geldes, 1918, unter dem Titel: Hochfinanz, 1926; Die für die Heimat bluten, 1922; Suska-Susanne, ein Lebensbild aus Böhmen, 1929; Im Marokkaner Zuchthaus, 1931; Der Sohn zweier Rassen, 1932; Conrad v. Hötzendorf. Der Preuße Österr., 1935; Ludwig Spohr, 1936; Die Deiselmüllerin, 1938; etc.
L.: Erinnerungen einer Respektlosen, 3 Bde., 1927 bis 1928; N. Fr. Pr. vom 2. 2. 1908, 18. 9. und 2. 10. 1910; Kultur, 1927, H. 3; E. Beschließer, Das ep. Schaffen der Schriftstellerin E. Gfn. S., phil. Diss. Wien, 1934; A. Bartels, Geschichte der dt. Literatur Bd. 3, 1928; Brümmer; Giebisch–Pichler–Vancsa; Kosch; Kürschner, Jgg. 1894–1939; Maderno; Nagl–Zeidler–Castle, 3 und 4, s.Reg.; J. Nadler, Literaturgeschichte Österr., 1951; H. Spiero, Geschichte der dt. Frauendichtung seit 1800, 1913; K. Wache, Der österr. Roman seit dem Neubarock, 1930; Lex. der Frau; Kosch, Das kath. Deutschland.
(Hanus)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 18, 1968), S. 270f.
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