Krones, Therese (1801-1830), Schauspielerin

Krones Therese, Schauspielerin. * Freudenthal (Bruntál, österr. Schlesien), 7. 10. 1801; † Wien, 28. 12. 1830. Tochter des Kürschnermeisters Josef K. († Eisenstadt, 7. 11. 1839), der sein Handwerk aufgab, Kammersänger bei Gf. Fr. J. v. Thiersheim wurde, 1806 Freudenthal verließ und als 1. Bassist nach Olmütz ging. Er gründete mit seiner Frau und seinen beiden Kindern Josef (s. d.) und Therese eine kleine Truppe, die durch Mähren, Westungarn und N.Ö. zog und in der Therese fünfjährig erstmals auftrat. Olmütz, Troppau, Brünn, wo sie 1811 kurze Zeit für Kinderrollen am Theater engagiert war, und Temesvár waren größere Stationen. Bereits am 22. 1. 1810 gastierten sie und ihr Vater am Wr. Leopoldstädter Theater, und im Oktober 1816 gelang es der Familie, kurze Zeit am Josefstädter Theater engagiert zu werden. Nach Gastspielen in Eisenstadt, Wr. Neustadt und Ödenburg trennte sich K. von ihrer Familie und ging nach Agram, im Oktober 1820 für ein Gastspiel an das Grazer Theater und anschließend nach Laibach. Im Oktober 1821 gastierte sie wieder am Leopoldstädter Theater und wurde für naive Mädchen, Soubretten und zweite Singpartien engagiert. Nur langsam vertraute man ihr größere Rollen an, da ihr noch schlechter Gesang immer wieder die schauspieler. Leistung beeinträchtigte. Anfang 1824 kam der große Durchbruch mit der Darstellung der Zilly in Bäuerles Zauberoper „Aline“ und der Rosamunde in Bäuerles Feenoper „Lindane“, wobei sie letztere Rolle nur der Erkrankung Louise Kupfers, für die sie geschrieben wurde, zu verdanken hatte. Die Genialität ihres Spieles und ihre unwiderstehliche Komik stellten K. mit einem Schlag neben I. Schuster und F. Raimund. Letzterer schrieb für sie die Mariandl in seinem Zauberspiel „Der Diamant des Geisterkönigs“ (1824) und die Jugend im „Bauer als Millionär“ (1826). Mit der wehmütig-schelm., schalkhaft-liebenswürdigen Darstellung der Jugend errang K. unerhörte Popularität. Sie verkörperte nun neben schnipp. Soubretten und naiv-drolligen Mädchen auch schwärmer., mannstolle, alte Jungfern und boshafte Xanthippen, welche die erst 25jährige Schauspielerin unnachahmlich darstellte. Selbst die Bekanntschaft mit dem Raubmörder S. Jaroszynski (1827) konnte ihre Beliebtheit nie ernstlich gefährden. Im Jänner 1830 verließ sie das Leopoldstädter Theater und begann noch im selben Monat ein Gastspiel am Theater a. d. Wien, mußte es aber krankheitshalber abbrechen. K., die genialste weibliche Erscheinung des Alt-Wr. Volkstheaters, von der der Kritiker Saphir treffend sagte, sie gäbe ihrer Rolle nichts vom Dichter und alles von sich, verblüffte und faszinierte einerseits durch ihren Charme, ihre Anmut und Grazie und andererseits durch ihr entfesseltes Temperament, die schrankenlose Kühnheit und verwegene Improvisation, mit der sie, den Eingebungen des Augenblicks folgend, ihre Rollen verkörperte. K. werden drei Theaterstücke zugeschrieben, es ist aber anzunehmen, daß sie von ihrem Bruder Josef K. stammen.

Hauptrollen: Zilly (Aline), Rosamunde (Lindane), Mariandl (Der Diamant des Geisterkönigs), Jugend (Der Bauer als Millionär), Julchen v. Eisenfeil (Jakob in Wien und Jakob in der Heimat), Fisperl (Gisperl und Fisperl), Frau v. Springerl (Herr Josef und Frau Baberl), Luise (Kabale und Liebe, Parodie von Bäuerle), Nettchen (Sylphide, Das Seefräulein), Julerl (Julerl, die Putzmacherin) etc. W.: Sylphide, das Seefräulein, Zauberspiel mit Musik von J. Drechsler, 1828; Der Nebelgeist und der Branntweinbrenner, Zauberspiel mit Musik von J. Drechsler, 1829; Cleopatra, Travestie mit Musik von A. Müller, 1830.
L.: Wr. Ztg. vom 28. 12. 1830; Allg. Theaterztg. vom 4. 1., Sammler vom 18. 7. 1831; Dresdener Abendztg. vom 26. 1., N. Fr. Pr. vom 6. und 7. 10. 1901; A. Plischke, Festschrift zur Jubelfeier des 100. Geburtstages der Th. K. in Freudenthal, 1901; Österr. Theateralmanach 1847, S. 298–323; E. Aldor, Th. K., Diss. Wien, 1934; E. Pirchan, Th. K., die Theaterkgn. Alt-Wiens, 1942; E. Futter, Die bedeutendsten Schauspielerinnen des Leopoldstädter Theaters in der Zeit von 1800–30, Diss. Wien, 1965; A. M. Pachinger, Th. K., eine vormärzliche Erinnerung, 1906; Allg. Theaterlex., 1841; J. Frh. v. Reden-Esbeck, Dt. Bühnen-Lex., 1879; Eisenberg; O. G. Flüggen, Biograph. Bühnenlex. der dt. Theater, 1892; Kosch, Theaterlex.; Wurzbach; ADB; Österr. National-Enc., 1835; I. F. Castelli, Memoiren meines Lebens, 1861; C. L. Costenoble, Aus dem Burgtheater, Bd. 2, 1889; E. Bauernfeld, Erinnerungen aus Alt-Wien, 1923; F. Schlögl, Vom Wr. Volkstheater, 1884; F. v. Seyfried, Rückschau in das Theaterleben Wiens, 1864; O. Rommel, Die Alt-Wr. Volkskomödie, 1952; R. Holzer, Die Wr. Vorstadtbühnen, 1951; F. F. Haromy, Das Burgenland, 1850, S. 131 f.
(Futter)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 19, 1968), S. 293f.
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>