Institut für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung
Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950


Kropatschek, Alfred von (1838-1911), General

Kropatschek Alfred von, General. * Bielitz (Bielsko-Biała, österr. Schlesien), 30. 1. 1838; † Lovrana (Lovran, Istrien), 2. 5. 1911.  Nach Absolv. der Artillerieakad. in Mähr.-Weißkirchen kam K. 1859 als Unterlt. II. Kl. zum Feldartilleriergt. 5, in dessen Verband er den Feldzug 1859 mitmachte, ohne an einer Schlacht teilgenommen zu haben. 1866 erhielt er seine Versetzung zum Art.-Komitee, die ihm ebenso wie seine 1869 erfolgte Transferierung zum techn.-administrativen Militärkomitee die Möglichkeit bot, seine überragenden techn. Fähigkeiten zur Geltung zu bringen. 1876 Mjr., 1877–83 Kmdt. der Art.-Kadettenschule in Wien, 1883 Kmdt. des 2. Feldartilleriergt. in Olmütz, 1884 Obst., 1885 Kmdt. der 13. Art.-Brigade, 1890 GM und Kmdt. der 3. Art.-Brigade, 1894 FML, 1895 Oberstinhaber des Korpsartillerieregiments 4 (Budapest). 17. 7. 1895 Generalartillerieinspektor, 1. 5. 1902 FZM, 1907 i. R. K., einer der bedeutendsten Waffentechniker und Artillerieorganisatoren der österr.-ung. Armee, wurde vielfach geehrt und ausgezeichnet, u. a. 1871 nob., 1898 Geh.-Rat, Großkreuz des Leopold-Ordens. Das von K. erfundene Repetiergewehr brachte eine erhebliche Verbesserung der bis dahin üblichen Zubringersysteme bei den Vorderschaftsmagazinen und wurde nach eingehenden Versuchen 1878 bei der franz. Marineinfanterie eingeführt. Auf Grund der erfolgreichen Feldverwendung wurde daraus das Lebell-Gewehr M/86 entwickelt. Auch in anderen Armeen wurden gelungene Weiterentwicklungen mit dem Repetiergewehr von K. als Prototyp angefertigt. In Österr.-Ungarn fand seine Erfindung dagegen nur bei der ung. Honvéd und der bosn.-herzegowin. Gendarmerie Verwendung. Auf artillerietechn. Gebiet verminderte K. durch Anbringung des von ihm erfundenen Federsporns an der Lafette des Feldgeschützes M/75 den Rückstoß und erhöhte damit die Leistungsfähigkeit so weit, daß Zeit für Neukonstruktionen gewonnen wurde. Obgleich K. überzeugter Anhänger des Rohrrücklaufes war, mußten 1899 aus militär. Gründen die Feldkanone (7,65 cm), das Gebirgsgeschütz (7,2 cm) und die Feldhaubitze (10,4 cm) ohne den damals noch techn. unvollkommenen Rohrrücklauf eingeführt werden. Die bald darauf erfolgte befriedigende Lösung dieses Problems durch das System Erhardt (1900) in Deutschland führte zu der einer sorgfältigen Erprobung unterzogenen Konstruktion der Feldkanone M/05 durch die unter dem Vorsitz von K. seit dem Jahre 1896 bestehende „Feldgeschützkommission“. Ehe die Serienerzeugung der Feldkanone aufgenommen wurde, nützte K. die Zeit zum Einbauen der letzten techn. Verbesserungen beim Rohrrücklauf, zu der Anbringung eines Schutzschildes sowie der Einführung der Einheitspatrone bei der Munition. Als besondere organisator. Leistungen müssen die Ermittlung, der Erwerb und der Ausbau des Artillerieschießplatzes Hajmáskér sowie die Verlegung des Reit- und Fahrlehrinst. für die Art.- und Traintruppe nach Schloßhof in N.Ö. angesehen werden.

PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 19, 1968), S. 296f.
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>

Österreichisches Biographisches Lexikon und biographische Dokumentation ]
Verlag der ÖAW ] [ Elektronisches Publizieren ] [ ÖAW ] [ Mail an die Redaktion ]

Quelle: Österreichisches Biographisches Lexikon und biographische Dokumentation
Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
©2003–2013 Alle Rechte vorbehalten ISBN: 978-3-7001-3213-4