Kühnert, Franz (1852-1918), Astronom und Sinologe

Kühnert Franz, Astronom und Sinologe. * Wien, 19. 7. 1852; † Wien, 25. 9. 1918. Stud. 1871–75 an der Univ. Wien Mathematik und Physik; war seit 1871 Mitarbeiter bei der österr. Gradmessungskomm. unter Th. R. v. Oppolzer und etwa 1877–86 Ass. an dessen Privatsternwarte in Wien-Josefstadt. Wohl wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten konnte er erst 1885 sein Stud. mit der Promotion zum Dr.phil. abschließen. Neben einigen astronom. Beobachtungen veröff. er vorwiegend theoret. Arbeiten über Bahnbestimmung von Planeten und Kometen. Durch eine Arbeit über die Shu-king-Finsternis (1879) wurde er zum Stud. der chines. Sprache angeregt, die er brieflich bei W. Schott (Berlin) erlernte. 1882 übers. er bereits kleinere, Himmelserscheinungen betreffende Abschnitte aus dem klass. Chines. 1886 stud. er auch Sanskrit bei Bühler (s. d.) in Wien. 1891 Priv.Doz. für Chines. Sprache an der Univ. Wien, 1897 Prof. an der Konsularakad. K. beschäftigte sich mit chines. Astronomie, Mathematik und Kalenderberechnung, Phil. und Weltbild der Chinesen, mit chines. Musik und deren Tonsystem sowie mit Problemen der Astronomie. Seine Arbeiten zeichnen sich durch besondere Genauigkeit, log. Aufbau und gründliche Sachkenntnis aus. Reg.Rat, Mitgl. der Morgenländ. Ges. und Off. des rumän. Kronenordens.

W.: Über die definitiven Elemente des Planeten (153) Hilda, in: Sbb. Wien, math.-nat. Kl., Bd. 93, Abt. 2, 1886; Über einige Lautcomplexe des Shangai-Dialektes, in: Sbb. Wien, phil.-hist. Kl., Bd. 116, 1888; Zur Kenntnis der älteren Lautwerthe des Chines., ebenda, Bd. 122, 1890; Ein Kapitel des Schu-li-tsing-iün, in: Wr. Z. für die Kde. des Morgenlandes, Bd. 4, 1890; Über die Bedeutung der drei Perioden Tschang, Pu und Ki sowie über den Elementen- und den sogenannten Wahlcyclus bei den Chinesen, in: Sbb. Wien, phil.-hist. Kl., Bd. 125, 1892; Die chines. Sprache zu Nanking, ebenda, 131, 1894; Über einige Klippen bei Übers. aus dem Chines., in: Wr. Z. für die Kde. des Morgenlandes, Bd. 8, 1894; Einige Bemerkungen zu Heller’s „Das Nestorian. Denkmal zu Singan fu’“, ebenda, Bd. 9, 1895; Die Phil. des Kong-dsy (Confucius) auf Grund des Urtextes, in: Sbb. Wien, phil.-hist. Kl., Bd. 132, 1895;Über den Rhythmus im Chines., ebenda, Bd. 134, 1896; Ein Geschichtscapitel auf einer chines. Theekanne, in: Wr. Z. für die Kde. des Morgenlandes, Bd. 10, 1896; Zur Kenntnis der chines. Musik, ebenda, Bd. 14, 1900; Über die von den Chinesen „Tê-sing“ oder Tugendgestirn genannte Himmelserscheinung, in: Sbb. Wien, math.-nat. Kl., Bd. 110, Abt. II a, 1901; etc.
L.: Poggendorff 3, 4.
(Ferrari d’Occhieppo-Pauer)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 19, 1968), S. 324
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