Kuhn von Kuhnenfeld, Franz Frh. (1817-1896), Feldzeugmeister

Kuhn von Kuhnenfeld Franz Frh., General. * Proßnitz (Prostějov, Mähren), 25. 6. 1817; † Strassoldo (Küstenland), 25. 5. 1896. Sohn eines Off.; wurde 1837 als Unterlt. zum IR. 1 ausgemustert und 1843 als Oblt. in den Generalstab übernommen, in dem er bis 1860 wirkte. Machte als Hptm. und Mjr. den Feldzug 1848/49 mit und zeichnete sich in der Schlacht bei Custozza durch Tapferkeit und initiatives Eingreifen derart aus, daß ihm u. a. der Milit.-Maria-Theresien-Orden verliehen wurde. Von 1856 an Prof. für Strategie und Kriegsgeschichte an der Kriegsschule, hatte er (1857 Obst.) auch den Kriegsplan für den für 1859 erwarteten Zusammenstoß mit der sardin. und französ. Armee vorzubereiten. Der Armeekmdt. FZM Gf. Gyulai (s. d.) verstand es aber nicht, die Piemontesen vor ihrer Vereinigung mit den Franzosen zu schlagen. So kam es am 4. 6. bei Magenta zur Schlacht mit den schon vereinigten Feinden. Obwohl der Ausgang des Kampfes zunächst unentschieden war, und K. zur Fortsetzung am 5. 6. riet, überließ Gyulai das Schlachtfeld den Feinden und versagte sich auch dem Vorschlage K.s, am 8. mit der indessen verstärkten Armee Napoleon in Richtung Mailand anzugreifen. So ging die Lombardei verloren, und K. übernahm eine Brigade in Südtirol, mit der er sich durch einen Vorstoß gegen Rocca d'Anfo bewährte. 1859 Gen.-Stabschef der II. Armee; 1860 übernahm K. in Trient das Kmdo. über das IR. 17. Wegen seiner gründlichen Kenntnisse über Tirol wurde er 1862 zum GM und Brigadier in Trient ernannt, und in dieser Eigenschaft wurde ihm 1866 die Verteidigung Südtirols anvertraut, die er mit bloß 10.000 Mann gegen eine mehrfache Überlegenheit in hervorragender Weise bewirkte. Sein hiebei angewandtes höchst mobiles Verfahren blieb beispielgebend für die Verteidigung Südtirols im Ersten Weltkrieg (Kommandeurkreuz des Milit.-Maria-Theresienordens). Am 18. 1. 1868 erfolgte die Ernennung K.s zum Reichskriegsmin., da man in seine Tatkraft das Vertrauen setzte, die durch den Ausgleich mit Ungarn, die Einführung der allg. Wehrpflicht, die Aufstellung der beiden Landwehren und die Auflösung der Militärgrenze entstandenen neuen Grundlagen für das Wehrwesen der Monarchie zu meistern. Mit der K. eigenen Energie glückte ihm dies, nicht ohne daß er 1871 mit der zeitweiligen Auflösung des Generalstabes auch etwas über das Ziel schoß. 1874 vom Ministerposten enthoben und zum Kommandierenden Gen. in Graz ernannt. Nach Vollendung seines 50. Dienstjahres wurde er am 16. 7. 1888 mit großen Ehren in den „disponiblen Stand“ versetzt. K., vielfach geehrt und ausgezeichnet, u. a. Geh.-Rat, 1852 Frh., 1873 FZM.

W.: Über Reorganisation der Militär-Bildungsanstalten, 1868; Der Gebirgskrieg, 1870, 2. Aufl. 1878; Betrachtungen über die Operationen der französ. Ost-West- und Nordarmee im Monat Jänner 1871, 1890; etc.
L.: Mähr.-Schles. He., 1960; Z. des Hist. Ver. für Stmk., 1964; Alten; Hirtenfeld; Lukeš; N. Österr. Biogr., Bd. 13, 1959; Wurzbach; Kosch, Das kath. Deutschland; ADB 51; Biograph. Jb., 1897; Otto 15; E. Glaise-Horstenau, Franz Josephs Weggefährte. Das Leben des Gen.-Stabschefs Gf. Beck, 1930; H. Srbik, Aus Österr. Vergangenheit. Von Prinz Eugen zu Franz Joseph, 1949.
(Kiszling)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 19, 1968), S. 336f.
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