Kvaternik, Eugen (1825-1871), Politiker

Kvaternik Eugen, Politiker. * Agram, 31. 10. 1825; † Rakovica b. Slunj (Kroatien), 11. 10. 1871. Stud. 1842–44 Theol. in Zengg und Agram, 1844/45 Jus und 1845/46 Pädagogik in Pest. 1847 legte er die Lehramtsprüfung, 1848 die Advokatenprüfung ab und betätigte sich eifrig in der Nationalbewegung. Ab 1851 Rechtsanwalt in Brod na Kupi. Als ihm 1857 die Ausübung seines Berufs verboten wurde, versuchte er zuerst Rußland, 1859 Italien und dann Frankreich für seine Ideen – Loslösung Kroatiens von Österr. – zu gewinnen. Da er nirgends Unterstützung fand, kehrte er Ende 1860 nach Kroatien zurück. Als Publizist und Landtagsabg. (1861) suchte er nun die Lösung der kroat. Frage in einer Föderation bzw. in einer Personalunion Kroatiens mit Österr., wobei die Selbständigkeit Kroatiens vollkommen gewahrt sein sollte. Gem. mit A. Starčević gründete er die „Partei des Rechtes“. Nach Erscheinen des 2. Tl. seiner „Politischen Betrachtungen“ (1862) landesverwiesen, ging er 1863 nach Paris, 1864 nach Turin, wo er sich an der Zusammenarbeit der kroat. und italien. revolutionären Bewegung gegen Österr. beteiligte. Schon damals plante K. mit italien. Hilfe einen Aufstand in der Lika und in Dalmatien. 1865 kurze Zeit in Kroatien, dann bis 1867 in Italien, schickte er seinen Vertrauensmann A. Rakijaš nach Dalmatien, um dort einen Aufstand vorzubereiten. 1867 amnestiert, kehrte er nach Kroatien zurück und setzte seine polit. und publizist. Tätigkeit fort. 1871 stellte er sich an die Spitze eines Aufstandes (8.–11. 10)., der in Broćanac bzw. in Rakovica (im Gebiet der Militärgrenze) ausbrach, bald aber mit Hilfe königstreuer Truppen niedergeworfen wurde. K. und seine treuesten Mitarbeiter Vj. Bach und A. Rakijaš wurden dabei erschossen.

W.: La Croatie et la confédération italienne, 1859; Politička razmatranja (Polit. Betrachtungen), 2 Bde., 1861–62; Das hist.-diplomat. Verhältnis Croatiens zu der ung. St. Stephans-Krone, 1861; Was ist die Wahrheit? Eine Erwiderung auf das Szálaysche Pamphlet betitelt „Zur kroatischen Frage“, 1861; Hrvatski glavničar (Der kroat. Kapitalist), 1863; Istočno pitanje i Hrvati (Die Ostfrage und die Kroaten), 2 Bde., 1868; Rieč u sgodno virieme (Ein Wort zur rechten Zeit), 1870; Gorke uspomene (Bittere Erinnerungen), 1871; etc. Pensées d’un emigrée austro-slave Croate, Manuskript.
L.: Obzor, 1871, n. 62–80; Agramer Ztg., 1871, n. 246; Zatočnik, 1871, n. 4; Narodne novine, 1871, n. 244; Izraz, 1940, n. 4, 5, 7–8; K. Šegvić, O životu i radu hrvatskog političkog-revolucionarca E. K. (Leben und Werk des kroat. polit. Revolutionärs E. K.), 1921; F. Šišić. K.,1926; K. Šegvić, Prvo progonstvo E. K. (Die 1. Verbannung E. K.s), 1907; ders, Drugo progonstvo E. K. (Die 2. Verbannung E. K.s), 1907; F. Bučar, Vorwort zu K.s Promemorija princu Jérómeu Napoléonu, 1936; A. Cesarec, Sin domovine (Sohn des Vaterlandes), Drama, 1940; Grlović, Album 2; Znam, Hrv.; Wurzbach; Nar. Enc. 2; Enc. Jug. 5; M. Nehajev, Rakovica, 1932; R. Kiszling, Die Kroaten. Der Schicksalsweg eines Südslawenvolkes, 1956, s. Reg.
(Šeper)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 19, 1968), S. 383
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