Kvaternik, Slavko (1878-1947), Feldmarschall

Kvaternik Slavko, Feldmarschall. * Vučinič selo (Kroatien), 25. 8. 1878; † Agram, 8. 6. 1947 (hingerichtet). Absolv. die Inf.-Kadettenschule in Karlstadt und wurde 1897 zum IR. 90 ausgemustert,1898 zum Lt. und 1904 zum Oblt. befördert, kam er nach Besuch der Kriegsschule 1904–06 zur 72. Inf.-Brigade nach Agram, war dann ab 1911 als Hptm. beim dortigen Honvéd-Distrikt. Von Kriegsbeginn bis Oktober 1914 als Stellv. Gen.-Stabschef der 42. Honvéd-Inf.-Div. eingeteilt, wirkte K. vom 22. 10. 1914 bis 27. 2. 1916 als Flügeladj. des Gen. der Inf. Boroević (s. d.), mit 1. 2. 1916 rückte er zum Mjr. vor. Anschließend war K. bis Jänner 1918 als Generalstabschef der 55. (155.) Inf.-Div. in Verwendung, dann folgte seine Kommandierung zum Kmdo. der Isonzoarmee, am 1. 5. 1918 rückte er zum Obstlt. vor. Nach Kriegsende diente K. kurz in der jugoslaw. Wehrmacht als Obst., schied aber bald aus dem aktiven Dienst und wandte sich der kroat. Nationalbewegung zu. K., der mit der Tochter des Führers der kroat. Rechtspartei Dr. J. Frank verheiratet war, organisierte nun gem. mit A. Pavelić die kroat. Ustascha-Bewegung. Sein Sohn Eugen K. war führend in der antiserb. Studentenschaft tätig. Nach der Flucht Pavelić’ nach Italien gelang es K., eine beherrschende Stellung in der Ustascha-Bewegung zu erringen und am 10. 4. 1941, am Tage des dt. Einmarsches in Agram, proklamierte er im Namen Pavelić’ den unabhängigen kroat. Staat. In der am 15. 4. 1941 von Pavelić gebildeten Regierung wurde der zum Marschall ernannte K. Stellvertreter des Staatschefs, Oberbefehlshaber der Wehrmacht und Landesverteidigungsmin., sein Sohn Eugen übernahm die Leitung des Sicherheitswesens. K. organisierte rasch eine kroat. Armee (Domobranen), wobei er vielfach auf österr. Vorbilder zurückgriff. Immer mehr geriet er aber in Gegensatz zu der Ustascha-Miliz, die nach dem Muster der dt. Schutzstaffel (SS) ausgebaut wurde. Zudem suchte sich K. mehr an Deutschland anzulehnen, wogegen Pavelić eher in Italien Rückendeckung suchte. Diese Unstimmigkeiten und persönliche Konflikte führten schließlich am 6. 10. 1942 zur Enthebung von Vater und Sohn K. von ihren Ämtern. In den folgenden Jahren bis 1945 lebte K. in Preßburg, Wien und am Semmering. Nach Beendigung des Krieges wurde er an Jugoslawien ausgeliefert, am 7. 6. 1947 in Agram zum Tode verurteilt und am folgenden Tag hingerichtet.

L.: Wr. Ztg. vom 8. 6. 1947; Hrvatski domobran, 1941, n. 1; Hrvatski radiša, 1942, n. 15; Keesings Archiv der Gegenwart, Jg. 16/17, 1946/47, S. 886 C, 1102 F, 1109 A; Enc. It., Erg.Bd. 2; L. Hory–M. Broszat, Der kroat. Ustascha-Staat 1941–45 (= Schriftenreihe der Vierteljahreshe. für Zeitgeschichte, n. 8), 1964, s. Reg.; R. Kiszling, Die Kroaten. Der Schicksalsweg eines Südslawenvolkes, 1956, s. Reg.; ders., Die Wehrmacht des unabhängigen Staates Kroatien 1941–45, in: Österr. milit. Z., 1965, S. 261–65.
(Egger)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 4 (Lfg. 19, 1968), S. 383f.
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