Lanner, Katharina (Katti); verehel. Geraldini (1829-1908), Tänzerin und Choreographin

Lanner Katharina (Katti), Tänzerin und Choreographin. * Wien, 14. 9. 1829; † London, 15. 11. 1908. Tochter des Vorigen; debut. am 4. 8. 1845 in dem Ballett „Angelica“ am Kärntnerthor-Theater in Wien, wo sie die nächsten 10 Jahre engagiert war und unter Isidor Carey die letzte Ausbildung erhielt. Es folgten Gastspiele an den Hoftheatern in Berlin, Dresden und München und ein Engagement als Primaballerina am Hamburger Stadttheater (1856–58), wo auch ihre ersten Ballettschöpfungen entstanden. 1858 gastierte sie mit einem von ihr geschaffenen Kinderballett überaus erfolgreich in Paris; Gastspiele in Pest, am Theater an der Wien und am Treumann-Theater in Wien (1860) leiteten eine Serie von Gastspielen in allen großen Städten der Monarchie und Europas ein. L. gastierte u. a. in Odessa, Bukarest, Kiew, St. Petersburg, am Viktoria-Theater in Berlin, in Bordeaux und Lissabon. 1870 fand am Grand Opera House in New York ihr erstes Gastspiel in Amerika statt; 1872–75 weilte L. zum zweitenmal in Amerika und gründete 1873 in New York mit großem Erfolg ein Kinderballett. 1875 ließ sie sich in London nieder und widmete sich ausschließlich ihrer Arbeit als Choreographin und Tanzpädagogin. So übernahm sie 1876 die Leitung der Londoner National Training School of Dancing, übte 1877–81 die Tätigkeit einer Ballettdir. und Choreographin an „Her Majestys Theatre“ aus, arbeitete während dieser Zeit auch für das Drury Lane Theater, wo sie erstmals für England das Ballett „Faust“ von Gounod choreographierte. Ab 1887 bis kurz vor ihrem Tod war sie Ballettdir. und Choreographin am Empire Theater in London, wo sie zuletzt eine Reihe neuer Ballette für die berühmte Tänzerin Adeline Genée schuf. In ihrer Jugend eine der berühmtesten und gefeiertsten Tänzerinnen der Zeit, hat L. in der Geschichte des Balletts vor allem Bedeutung als Choreographin. So stellen ihre Ballettschöpfungen den Endpunkt der Entwicklung des romant. Balletts in England dar und ebneten gleichzeitig den Weg für die neuen Bestrebungen. L. war ab 1864 mit dem Tänzer und Regisseur Joh. Bapt. A. V. Geraldini (1834–1904) verheiratet.

W.: Faust, Sitala, Esmeralda, Leonora, alle 1856–58; Les Papillons, 1878; The Sports of England, 1887; Diana, 1889; Cleopatra, 1889; Orfeo, 1891; Katrina, 1893; The Press, 1898; Our Crown, 1902; etc.
L.: N. Fr. Pr. vom 20. 7. 1905 und 17. 11. 1908; Ill. Wr. Extrabl. vom 17. 11. 1908; Der Zwischenakt vom 17. 5., Wr. Theaterchronik vom 19. 12. 1861; Neuer Theateralmanach, 1910, S. 155; Enc. dello Spettacolo, Bd. 6, 1959; O. G. Flüggen, Biograph. Bühnenlex. der dt. Theater, 1892; Knaurs Ballettlex., 1958; H. A. Mansfeld, Theaterleute in den Akten der k. k. Obersten Hoftheater-Verwaltung von 1792–1867, in: Jb. der Ges. für Wr. Theaterforschung, Bd. 13, 1961, S. 97; Dt. Theaterlex., hrsg. von A. Oppenheim und E. Gettke, 1889; Katalog der Porträtsmlg.; Wurzbach; Biograph. Jb., 1910; Lex. der Frau, Bd. 2; I. Guest, The Romantic Ballett in England, 1954; Smlg. Mansfeld, Wien.
(Futter)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 21, 1970), S. 16
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