Lasser von Zollheim, Josef Frh. (1814-1879), Politiker und Jurist

Lasser von Zollheim Josef Frh., Jurist und Politiker. * Strobl (Salzburg), 30. 9. 1814; † Wien, 19. 11. 1879. Stud. an der Univ. Wien Jus, 1838 Dr.jur. Trat 1839 als Konzeptspraktikant bei der Kammerprokuratur in den Staatsdienst. 1848 wurde er sowohl in das dt. Parlament in Frankfurt als auch in den österr. Reichstag gewählt. Er entschied sich für letzteren, wo er sich der gemäßigten Linken anschloß. Ungemein einflußreich, setzte er in der Frage der Grundentlastung gegenüber den ursprünglich radikalen Antrag Kudlichs (s. d.) die Entschädigung der Grundherrschaften durch. Nach der Auflösung des Reichstages 1849 von Stadion als Min.-Rat zunächst zur Begutachtung der Octroyierten Verfassung in das Innenmin. geholt, wurde er dann unter Bach (s. d.) zu dessen wichtigem 1. Mitarbeiter in der Durchführung der durch 1848 bedingten Neuorganisationen, besonders auf dem Gebiet der Grundentlastung — er war Grundentlastungskoär. für Salzburg — und der Gemeindeordnung, schließlich auch noch Vorstand der Komm. für die Wr. Stadterweiterung. 1859 Sektionschef unter Gołuchowski (s. d.). Im Zusammenhang mit der infolge des Oktoberdiploms durchgeführten Umwandlung der Zentralverwaltung wurde er am 20. 10. 1860 Min. ohne Portefeuille. 1865 demissionierte er zusammen mit Schmerling und wurde pensioniert. Nach 1867 auf Zisleithanien beschränkt, schloß er sich der seinen Absichten entsprechenden dt.-liberalen Verfassungspartei an. 1868–70 Statthalter von Tirol, um dort die gegen die Bestimmungen des Konkordates gerichteten neuen liberalen Staatsgrundgesetze einzuführen, stand er während seiner ganzen Amtszeit in schwerem Konflikt mit dem klerikalen Tiroler Landtag (1869 setzte er die Errichtung der med. Fak. an der Univ. Innsbruck durch). 1871 im Kabinett Auersperg (s. d.) Innenmin., spielte er eine führende Rolle, so daß die Opposition das Schlagwort vom „Kabinett Lasser, genannt Auersperg“ aufbrachte. 1878 i. R. Vielfach geehrt und ausgezeichnet, u. a. 1860 Geh.-Rat, 1867 Frh., 1869 Ehrenbürger von Innsbruck, 1878 Großkreuz des St.-Stephan-Ordens, 1878 lebenslängliches Herrenhausmitgl. L. versuchte sich auch als Schriftsteller und nahm an der Erstbesteigung des Großvenedigers teil.

W.: Die erste Ersteigung des Großvenedigers, 1842.
L.: Tiroler Bote vom 13. 2. 1868 und 3. 7. 1869, 1879, n. 267; Innsbrucker Tagbl., 1879, n. 267; Tiroler Stimmen vom 20. 11. 1879; Innsbrucker Nachrichten vom 23. 5. 1929; Tiroler Anzeiger vom 23. 1. 1932; Mitt. der Ges. für Salzburger Landeskde., Jg. 11, 1871, S. 38 ff.; Österr. Rundschau, Bd. 19, 1909, S. 79 ff.; L. genannt Auersperg, 1877; K. Müllner, Frh. J. L. v. Z., eine Biographie, phil. Diss. Wien, 1962; A. Bundsmann, Die Landeschefs von Tirol und Vorarlberg in der Zeit von 1815–1913, in: Schlernschriften, Bd. 117, 1954, S. 84 ff.; Die Ehrenbürger der Landeshauptstadt Salzburg, 1954; Reichstags-Gallerie, 1849, S. 88 f.; S. Hahn, Reichsraths-Almanach für die Session . . . (1867, 1873/74), 1867, 1873; Wurzbach; Kosch, Das kath. Deutschland; ADB; Czedik; Dullinger; K. Fischnaler, Innsbrucker Chronik, Bd. 1, 1929; O. Stolz, Geschichte des Landes Tirol, Bd. 1, 1955, s. Reg.; E. Kielmannsegg, Kaiserhaus, Staatsmänner und Politiker, 1966; EOA, Bd. 3, S. 135; Uhlirz 2; H. Kudlich, Rückblicke und Erinnerungen, 1873; Nachlaß im Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien.
(Cornaro-Falser)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 21, 1970), S. 35
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