Lautenburg, Sigmund (1851-1918), Schauspieler, Regisseur und Theaterdirektor

Lautenburg Sigmund, Schauspieler, Regisseur und Theaterdirektor. * Pest, 11. 9. 1851(2); † Marienbad (Mariańské Lázně, Böhmen), 21. 7. 1918. Sohn eines Fabrikanten; genoß eine sehr sorgfältige Erziehung, absolv. das Gymn. in Wien und trat dann in das Bankgeschäft ein. Bereits zwei Jahre später aber debut. L., gefördert und ausgebildet von den Schauspielern A. v. Sonnenthal und Ujházy, am 16. 12. 1871 in Neusohl (Slowakei) als Ferdinand in „Kabale und Liebe“ als Schauspieler. Nach seinem Militärdienst spielte er „erste Intriguants und Charakterrollen“, u. a. 1873/74 am Urania-Theater in Hamburg, 1874/75 in Barmen, 1876/77 in Elberfeld, 1875/76 am Dt. Theater in Pest, 1877/78 in Jena, 1878–80 am Ostend-Theater in Berlin, unter Laune 1880/81 am Wr. Stadt-Theater und 1881/82 in Stettin. Schon seit seinem Jenaer Engagement auch als Regisseur tätig, wurde L. 1882 Dir. des Elysium-Theaters in Stettin, 1883 des Dt. Theaters in Amsterdam, 1884 des Tivoli-Theaters in Bremen, 1885 des Lübecker Stadttheaters und 1886 des Residenz-Theaters in Hannover. 1887–1904 leitete L. (1897/98 unterbrochen durch eine Dions.-Tätigkeit am Neuen Theater in Berlin) das Residenztheater in Berlin. Unter seiner fachkundigen und allen neuen Strömungen aufgeschlossenen Leitung wurden in diesen Jahren am Residenz-Theater neben französ. Gesellschaftsstücken u. a. auch Tolstoi, Strindberg, Ibsen und Halbe aufgeführt. So hat er als erster in Deutschland Halbes „Jugend“ und Ibsens „Wildente“ aufgeführt. 1907 übernahm L. die Dion. des Raimund-Theaters in Wien, die er aber trotz künstler. Anerkennung bereits nach 6 Wochen auf Grund finanzieller Schwierigkeiten zurücklegte. 1915/16 organisierte und leitete er Frontgastspiele in Polen und Rußland. Im Winter 1917/18 stand L. im Rahmen eines Ehrengastspiels am Berliner kgl. Schauspielhaus das letzte Mal auf der Bühne. L. war auch als Übersetzer französ. Bühnenstücke tätig.

Hauptrollen: Franz Moor; Shylock; Richard III.; Lear; Nathan; Marinelli; Muley Hassan; Mephisto; Hjalmar Ekdal; etc.
L.: Erinnerungen, in: Das Theater, Jg. 6, 1925, S. 122 ff.; N. Fr. Pr. vom 29. 4. 1907; N. Fr. Pr. und Wr. Ztg. vom 23. 7. 1918; Die dt. Bühne, H. 31/32, 1918; Dt. Bühnenjb., 1919, S. 133; J. Bettelheim, Ein Rückblick zum 20. Jahrestage der Bühnenleitung L.s, 1909; Eisenberg; O. G. Flüggen, Biograph. Bühnenlex. der dt. Theater, 1892; Kosch, Theaterlex.; Dt. Theaterlex., hrsg. von A. Oppenheim und E Gettke, 1889; Rub; Katalog der Porträt-Smlg.; Wer ist’s? 1909; Das geistige Ungarn; Révai 12, 20; Smlg. Mansfeld, Wien.
(Futter)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 21, 1970), S. 52
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