Lebeda, Anton Vinzenz d. Ä. (1797-1857), Büchsenmacher und Erfinder

Lebeda Anton Vinzenz d. Ä., Büchsenmacher und Erfinder. * Černoschitz b. Prag (Černošice, Böhmen), 1. 5. 1797; † Prag, 2. 7. 1857. Sohn eines Bauern, Vater der beiden Folgenden; erlernte das Büchsenmacherhandwerk, begab sich 1813 als Geselle wie üblich auf die Wanderschaft und arbeitete längere Zeit bei dem angesehenen Wr. Meister J. Contriner. 1820 kehrte L. nach Prag zurück und übernahm zwei Jahre später, nach Ablegung der Meisterprüfung, die frei gewordene Werkstatt des Büchsenmachers M. Brandeis. Trotz der starken Konkurrenz gelang es ihm, sich durch die Qualität seiner Arbeit zu behaupten; auch kam ihm das nach Beendigung der napoleon. Kriege erhöhte Interesse des Adels an der Jagd und der Bürgerschaft am Schützensport zugute. Neue Satzungen für die Prager Scharfschützen schufen die Kundschaft für die teuren, mit allen jeweiligen techn. Neuerungen ausgestatteten Einzelstücke, auf die sich L. in der Folge spezialisierte. Der Vorderlader mit dem Perkussionsschloß stellt den Hauptteil seiner Arbeiten dar, wobei die 1828 gelungene Erfindung des sogenannten Prager Kastenschlosses am Kontinent und in England häufig kopiert wurde. Auf der Böhm. Landes-Gewerbeausst. in Prag (1829) erhielt L. eine silberne Medaille und am 22. 12. 1830 ein weiteres Privileg für ein „Jagdgewehr mit einem Sicherheitsgesperre“. Sein Versuch, in den Monaten März und Juli des Jahres 1831 in Prag eine Lauferzeugung zu gründen, mißlang, so daß auch weiterhin die Gewehrläufe aus Belgien, das Eisen aus der Stmk. und der Stahl aus England bezogen werden mußten. Eine Zweigwerkstätte in Stefanau in Mähren mußte auch bald wieder eingestellt werden. 1833 hatte L. das tausendste Gewehr hergestellt. Das Landesgubernium genehmigte ihm am 1. 10. 1835 die „einfache Fabriks-Befugniß“. L. war nunmehr privilegierter Büchsenmacher. Die stets gleichbleibende Qualität seiner Arbeiten und die Heranziehung namhafter Künstler wie z. B. Mánes ermöglichte eine Vergrößerung des Betriebes auf 53 Mitarbeiter. Am 3. 9. 1841 erhielt L. die „k. Landesfabriksbefugniß“ für Böhmen; im Garten des zweiten von ihm in Prag erworbenen Hauses „Zu den drei Reitern“ errichtete er eine Schießstätte, die bis zum Verkauf des Hauses (1861) in Betrieb war. Bereits schwer krank übergab L. 1854 seine Werkstätten dem älteren Sohn Anton Vinzenz jun. Das Meisterstück von L., eine Vogelflinte mit Batterieschloß, wird im Nationalmus. (Národní muzeum) in Prag aufbewahrt. Besonders geschätzt waren L.s zweiläufige Bockbüchsen mit einem Kugel- und einem Schrotlauf übereinander sowie die Revolver mit Perkussionsschloß, später auch bereits für Metallpatronen. Die Revolver wurden sehr oft in Luxusausführung und in einer Kassette für das Zubehör geliefert, ein solches Exemplar ist im Heeresmus. (Vojenské muzeum) in Prag erhalten.

W.: Kapselschloß für Perkussions-Gewehre, Patent 1828; Jagdgewehr mit einer Sicherheitssperre, Patent 1835.
L.: Časopis Národniho muzea–Oddil historické muzeum, Jg. 134, 1965, H. 2, S. 92 ff.; Wurzbach; Masaryk 4; Otto 15; Ber. der Beurtheilungs-Comm. über die im Jahre 1829 unter der Leitung des böhm. Landesguberniums stattgefundene öff. Ausst. der Industrie-Erzeugnisse Böhmens, 1831, in: Libussa, Jb. für 1844, S. 403 ff.; J. Lugs, Handfeuerwaffen, Bd. 2, 1962, S. 203.
(Hummelberger)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 21, 1970), S. 63f.
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