Lebeda, Ferdinand (1824-1902), Büchsenmacher und Erfinder

Lebeda Ferdinand, Büchsenmacher und Erfinder. * Prag, 16. 8. 1824; † Prag, 3. 12. 1902. Sohn des Büchsenmachers und Erfinders Anton Vinzenz L. d. Ä., Bruder des Vorigen; nach Übernahme der Werkstätten (1858) von seinem älteren Bruder Anton Vinzenz L. brachten die Erzeugnisse eigener Konstruktion mit den für Ferdinand L. charakterist. Verzierungen im neugot. Stil — der Export erfolgte nunmehr auch nach Spanien — einen neuen Aufschwung. Außerdem begann L., der 1857 die Gewehre des Systems Console auf das Perkussionsschloß System Lorenz umgearbeitet hatte, auch die Armee zu beliefern. 1864 an der Adaptierung dieses Systems für das Expeditionskorps des Erzh. Maximilian nach Mexiko beteiligt, transformierten nach 1866 die Werkstätten L.s die österr. Vorderlader in Hinterlader des Systems Wänzel. Trotz aller dieser Erfolge führte die Wirtschaftskrise in der 2. Hälfte der achtziger Jahre des 19. Jh.s infolge der hohen Löhne für die spezialisierten Facharbeiter zur Unrentabilität und nötigte 1889 zur Schließung der Werkstätten. L. war einer der Mitbegründer der tschech. Fachschule für Goldschmiede und Graveure, aus der sich später die Kunstgewerbeschule entwickelt hat.

W.: Eigenthümliche Construction für von rückwärts zu ladende Feuergewehre, gem. mit A. V. Lebeda, privilegiert 1858; Construction für Flinten, Büchsen, Pistolen und Militärgewehre zum Rückwärtsladen, gem. mit A. V. Lebeda, privilegiert 1861; Zündstiftpatrone, System für Hinterladungs-Gewehre, Verbesserung der Patronen nach Schneiderschem System, alle privilegiert 1867.
L.: Časopis Národního muzea – Oddíl historické muzeum, Jg. 134, 1965, H. 2, S. 92–106, besonders S. 100 f. (mit dt. Résumé); Otto 15.
(Hummelberger)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 21, 1970), S. 64f.
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