Lebzeltern, Ludwig Gf. (1774-1854), Staatsmann

Lebzeltern Ludwig Graf, Staatsmann. * Lissabon, 20. 10. 1774; † Neapel, 18. 1. 1854.  Wurde von seinem Vater, Adam Frh. v. L. (1735–1818), seit 1768 k. Geschäftsträger am kgl. Hof von Lissabon, in den diplomat. Dienst eingeführt: Siebzehnjährig arbeitete er schon in der Gesandtschaftskanzlei in Lissabon, 1798 Botschaftssekretär in Madrid, 1801 zum ersten Mal nach Rom berufen, wo er fünf Jahre als Sekretär des k. Botschafters am päpstlichen Stuhl, Gf. Khevenhüller, wirkte, den er während dessen Abwesenheit öfter vertrat. Sein Ziel in dieser Zeit war, die gespannten Beziehungen zwischen Papst und K. zu bessern und Österr. Mission als Schutzherr der Kirche zu erneuern. Er erwies sich in der polit. wichtigen Frage der Identität von Diözesan- und Landesgrenzen, die von der röm. Kurie heftig bestritten wurde, als geschickter Verhandler. Entgegen seinem ausdrücklichen Wunsch, in der Armee zu dienen, wurde er 1806 wieder in einer diplomat. Mission nach Italien geschickt; es entwickelte sich eine tiefe Freundschaft zwischen ihm und Pius VII. 1809 lernte er Metternich persönlich kennen, von dem er den Auftrag erhielt, die Schwierigkeiten, die die Eheschließung zwischen Marie-Louise und Napoleon bedrohten, auf diplomat. Weg zu beseitigen. L. wurde nach St. Petersburg beordert, wo er an vielen Verträgen maßgebend beteiligt war, so auch am Zustandekommen der österr.-russ. Allianz. Nach kurzer diplomat. Tätigkeit in der Schweiz ging er 1814 wieder nach Italien; 1816 erfolgte seine Berufung als Minister nach St. Petersburg. Während seines Aufenthaltes am Zarenhof wurde ihm Felix Fürst Schwarzenberg als Gesandtschaftsattaché zugeteilt, den er in den Staatsdienst einführte. In den Wirren nach dem Tod Zar Alexanders im Dezember 1825 war Fürst S. P. Trubeckoj, der Schwager L.s, einer der Hauptbeteiligten in der Verschwörung, der Zar Paul zum Opfer fiel, und floh in die Gesandtschaft, wo er verhaftet wurde. Dieser Zwischenfall unterbrach jäh die weitere polit. Karriere L.s. Er mußte abberufen werden, Leo XII. lehnte seine Ernennung zum Gesandten ab, eine Aufgabe in London mißlang. 1830–43 Gesandter in Neapel, hatte er ständig gegen die Ablehnung Ferdinands II. zu kämpfen. Vielfach geehrt und ausgezeichnet, u. a. Hofrat, 1823 Gf., St.-Stephan-Orden.

L.: E. de Lévis-Mirepoix, Un collaborateur de Metternich. Mémoires et papiers de L., 1949; Les rapports diplomatiques de L., ministre d’Autriche à la cour de Russie (1816–26), hrsg. von N. Mikhailowitch, 1913; Wurzbach; Kosch, Das kath, Deutschland; E. de Lévis-Mirepoix, Une mission diplomatique austro-russe en Suisse 1813/14, 1931; H. Chotard. Le Pape Pie VII à Savone, 1887; J. Schmidlin, Papstgeschichte der neuesten Zeit, 3. Aufl., Bd. 1, 1933, s. Reg.
(Darthe)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 21, 1970), S. 69
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