Lechleitner, P. Johannes Bapt. (Georg) (1764-1840), Theologe

Lechleitner P. Johannes Bapt. (Georg), O. Cist., Theologe. * Serfaus (Tirol), 1. 4. 1764; † Stams (Tirol), 27. 10. 1840. Nach Stud. in Innsbruck als Zögling des Generalseminars (1790 Priesterweihe) versah er einige Seelsorgsposten und erteilte mehrere Jahre in Pfunds Unterricht in Grammatik, Rhetorik und Phil. 1798–1807 leitete er als Präfekt das Gymn. in Hall, wo er auch bis 1804 Rhetorik unterrichtete. Nach Aufhebung des Gymn. wurde er Hofkaplan in Brixen. Als 1814 das Zisterzienserstift Stams wiederbesiedelt wurde, war er unter den ersten fünf, die in das Kloster eintraten (Ordensgelübde 26. 11. 1817). 1824 lehrte er aushilfsweise Religion am Lyceum in Innsbruck und 1826 Moraltheol. im Stift Wilten. L. stimmt in seinen Schriften mit den Grundansichten der beiden Minoriten P. H. Oberrauch (Ethik) und vor allem P. Ph. Gruber (theoret. Phil.) überein, die K. Werner in seiner Geschichte der Theol. als Begründer der christlich-theolog. Metaphysik der Tiroler Schule bezeichnet. L. steht auf dem Boden der mehr augustin. geprägten Tradition christlichen Philosophierens, deren reichen Gehalt er, unter Aussonderung des Zeitbedingten, besonnen in wohlgefügte Ordnung bringt, um die Hauptfragen der Phil. klar darzustellen. Dabei herrscht ein didakt. Stil vor, der oft mit Dialogen und Zitaten aufgelockert ist. Auf die zeitgenöss. philosoph. Anschauungen wurde wenig eingegangen. Diese dürften deshalb weniger als Anliegen empfunden worden sein, da nach v. Görres die als seicht empfundene Aufklärungsphil., auf welche die damalige zeitgenöss. Phil. eine Reaktion darstellte und deshalb auch großes Echo fand, in der Umgebung der genannten Denker keinen dominierenden Einfluß ausgeübt hatte.

W.: Philosophiae theoreticae, 4 Tle., 1820–29, Tl. 3 dt.: Von dem Urgrunde und letzten Zwecke aller Dinge. Aus dem Latein., übers. von P. C. Sonnerer, Vorwort von J. v. Görres, 1839; Philosophia practica. Ius naturae, 1838; etc.
L.: J. v. Görres, Vorwort zu: G. J. L., Von dem Urgrunde . . ., 1839; H. Hurter, Nomenclator literarius, 3. Aufl., Bd. 5, 1911, S. 909: N. Grass, Österr. Historiker-Biographien, F. 1, 1957, S. 5, 48; Kosch, Das kath. Deutschland; ADB; P. F. Spielmann, Stams, in: Xenia Bernardina 7, 1891, S. 373 ff., 388; P. F. Nothegger, Klöster in Hall und ihr Wirken, in: Haller Buch, in: Schlernschriften, Bd. 106, 1953, S. 290 ff., 322 f.; K. Werner, Geschichte der kath. Theol., 1866, S. 334, 340 f.; Album Stamsense seu Catalogus religiosorum sacri et exempti ordinis Cisterciensis archiducalis monasterii B. V. Mariae et S. Joanni Bapt. in Stams.
(Muck)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 21, 1970), S. 74
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