Ledebur-Wicheln, Johann Gf. von (1842-1903), Politiker

Ledebur-Wicheln Johann Graf von, Politiker. * Krzemusch (Křemyž, Böhmen), 30. 5. 1842; † Prag, 14. 5. 1903. Entstammte einem alten, westfäl. Adelsgeschlecht. Er widmete sich zunächst den jurid. Stud. in Prag, um anschließend ausgedehnte Studienreisen nach Deutschland und England zu unternehmen, wo er sich vor allem landwirtschaftlichen Problemen zuwandte. 1883–93 Abg. des Großgrundbesitzes im böhm. Landtag, galt sein Kampf in erster Linie dem Radikalismus der jungtschech. Partei. Er war ein eifriger Verfechter des nationalen Ausgleichs. 1889 wurde L. Mitgl. des Herrenhauses auf Lebenszeit und am 30. 9. 1895 Ackerbaumin. im Kabinett Badeni (s. d.). Während seiner Amtszeit, die bis zum 30. 11. 1897 währte, versuchte L. das von seinem Vorgänger Falkenhayn (s. d.) hinterlassene Agrarprogramm zu verwirklichen, stieß dabei aber auf großen Widerstand. Sein besonderes Interesse galt dem landwirtschaftlichen Genossenschaftswesen und die Errichtung des ersten landwirtschaftlichen Lagerhauses im Jahre 1898 in Pöchlarn geht auf diese Initiative zurück. Auch dem land- und forstwirtschaftlichen Unterrichtswesen hat seine dauernde Fürsorge gegolten. 1893 Geh.-Rat.

W.: Vier Marksteine unserer Tage, in: Weckstimmen für das kath. Volk. 1897, H. 5; Vortrag in der Plenarversmlg. des kath.-polit. Ver. für das Kg.reich Böhmen, 1891.
L.: N. Fr. Pr. vom 18. 5. 1903; Österr. Forst- und Jagd-Ztg., 1895, S. 317, 1903, S. 185; Biograph. Jb., 1905; S. Hahn, Reichsraths-Almanach für die Session 1891/92, 1891; Masaryk 4; Otto 28; 100 Jahre Landwirtschaftsmin., 1967, S. 71; Czedik; Dullinger.
(Cornaro–Killian)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 21, 1970), S. 80
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