Lederer, Karl Joseph Alois Frh. von (1772-1860), Bankfachmann

Lederer Karl Joseph Alois Frh. von, Bankfachmann. * Wien, 11. 2. 1772; † Wien-Hütteldorf, 17. 8. 1860. Als tüchtiger Jurist und Volkswirtschafter erfreute er sich der Förderung von Karl Gf. Zichy, wodurch ihm eine steile Staatskarriere gelang. Als K. Franz I. (s. d.) 1809 aus Wien fliehen mußte, befand sich L. unter seinen Begleitern. Nach Beendigung der napoleon. Kriege wurde er zum Staats- und Konferenzrat ernannt und arbeitete an der Sanierung der Finanzen des österr. Kaiserstaates. Später nahm er als Mitgl. des Staatsrates an den Vorbereitungsarbeiten zur Gründung der privilegierten österr. Nationalbank teil, welche am 1. Juni 1816 erfolgte. Am 27. März 1837 wurde er zum Gouverneur dieses Inst. ernannt. Er bemühte sich um eine selbständige Führung des Noteninst., welches seiner Ansicht nach nur bei voller Unabhängigkeit vom Staate seine Aufgaben erfüllen könnte. Diese Voraussetzung schien mit der Gewährung des zweiten Privilegiums an die privilegierte österr. Nationalbank ab 1841 nicht mehr gegeben, weshalb er am 31. Oktober 1847 aus seinem Amte schied. Als der Staat und mit ihm auch das Noteninst. im Februar 1848 in eine schwere Krise gerieten, führte er, obwohl bereits pensioniert, neuerdings bis 18. Mai 1848 die Geschäfte. Sein heute noch sehr interessantes Werk über die privilegierte österr. Notenbank ist die erste zusammenhängende Darstellung der Frühgeschichte des österr. Noteninst.

W.: Die privilegirte österr. Noten-Bank, ihre Gründung, ihre Entwicklung und ihr Wirken, 1847.
L.: Wurzbach; Kosch, Das kath. Deutschland; S. Pressburger, Österr. Notenbank 1816–1966, 1966.
(Pressburger)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 21, 1970), S. 84
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