Ledóchowski, Mieczysław Gf. (1822-1902), Diplomat, Erzbischof und Kurienkardinal

Ledóchowski Mieczysław Graf, Diplomat, Erzbischof und Kurienkardinal. * Górki b. Sandomierz (Polen), 29. 10. 1822; † Rom, 22. 7. 1902. Enkel des Vorigen, Neffe des Folgenden, Onkel des Jesuiten Wladimir Gf. L. (s. d.) und der beiden Gründerinnen religiöser Gemeinschaften Maria Theresia Gfn. L. (s. d.) und Ursula Gfn. L. (s. d.); stud. ab 1841 am Seminar vom Hl. Kreuz in Warschau, ab 1843 in Rom an der Accademia dei Nobili ecclesiastici und an der Gregoriana. Dr.theol. und Dr.jur.eccl., 1845 Priesterweihe, zuerst bei der Kongregation für außerordentliche Angelegenheiten tätig. Seit 1851 Auditor der Nuntiatur in Lissabon, 1855 päpstlicher Prälat und ao. Delegat in Kolumbien. 1861 Nuntius in Brüssel und Erzbischof (in partibus infidelium) von Theben, 1865 zum Erzbischof von Gnesen und Posen gewählt, übernahm er am 4. 4. 1866 die beiden Erzdiözesen. 1870 begab er sich im Auftrage Pius IX. nach Versailles, um eine Intervention Preußens zugunsten des Hl. Stuhles zu erwirken, allerdings ohne Erfolg. Als Erzbischof von Gnesen und Posen suchte L. bis 1872 gute Beziehungen zur preuß. Regierung zu unterhalten. Die Forderung, den Religionsunterricht in allen Klassen in dt. Sprache zu erteilen, brachte den ersten Zusammenstoß mit L. Seine Weigerung, sich den Kulturkampfgesetzen von 1873 unterzuordnen, hatte zahlreiche Prozesse und Strafen zur Folge. Da er trotz Aufforderung seitens der Regierung sein Amt nicht niederlegte, wurde er 1874 verhaftet, in Ostrów interniert und seines Amtes entsetzt. 1875 erhielt L. im Gefängnis die Kardinalswürde. Nach seiner Freilassung mußte er sich unter Androhung einer neuerlichen Internierung in Torgau nach Rom begeben, von wo aus er im geheimen die beiden Erzdiözesen verwaltete. 1883 zum Sekretär der Denkschriften (Memorialium) ernannt, 1885 Sekretär der päpstlichen Breven und ab 1892 Präfekt der Kongregation de propaganda fide. Um den Abbau des Kulturkampfes zu erleichtern, resignierte L. im Februar 1886 auf die Erzbistümer Gnesen und Posen.

L.: Przegląd Lwowski, 1873, S. 488 ff.; Przegląd Polski 37, 1902, Bd. 145, S. 402–11; Dt. Z. für Kirchenrecht, Bd. 2, 1892, S. 83 ff.; Misje Katolickie, Jg. 21, 1902, 22, 1903; Organ Zwiazku kapłanów Unitas, n. 4–8; Przegląd Powszechny, Bd. 177, 1928, S. 90 ff.; Mons. H. M. Comte de L. . . ., 1875; J. Chociszewski, Życie kard. L. (Das Leben Kardinal L.s), 3. Aufl., 1877; A. Skałkowski, Civis Romanus – biskup polski. Fragmenty, 1928; W. Klimkiewicz, Kardynał L. na tle swej epoki (K. L. und die Zeit, in welcher er wirkte), 1822–1902, 2 Bde., 1938/39; Gf. L. und Oberpräs. v. Horn, 1923; Podręczna Enc. Kościelna, Bd. 23/24, 1911; Buchberger; RGG, Bd. 4; Enc. Catt.; S. Ledochowski, Meine Lebensfahrt, 1934/35; J. Janiszewski, Obecne prześladowanie religii katolickiej w Prusiech (Die derzeitige Verfolgung der kath. Religion in Preußen), 1876; B. Frh. v. Selchov, Der Kampf um das Posener Erzbistum 1865, 1923; A. Schletz, Nasza Przeszłość (Unsere Vergangenheit), Bd. 2, 1947, S. 245 ff.; E. Winter, Rußland und die slaw. Völker in der Diplomatie des Vatikans 1878–1903, 1950; Mitt. K. Ledochowski, Söllheim (Salzburg).
(Zieliński)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 21, 1970), S. 87f.
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