Leitenberger, Franz (1761-1825), Industrieller

Leitenberger Franz, Industrieller. * Wernstadt (Verneřice, Böhmen), 29. 6. 1761; † Kosmanos (Kosmonosy, Böhmen), 7. 4. 1825. Sohn des Johann Josef L. (* 17. 3. 1730; † 30. 5. 1802), der ausgehend von einer kleinen Färberei in Wernstadt ein Großunternehmen für Blaufärberei, Blaudruckerei, Baumwollspinnereien und Webereien etc. aufgebaut und die erste engl. Spinnmaschine in Österr. aufgestellt hatte, Vater des Folgenden, Großvater des Industriellen Friedrich Franz Josef Frh. v. L. (s. d.), Urgroßvater des Industriellen Friedrich Frh. v. L. d. J. (s. d.). Erlernte die Druckerei im väterlichen Betrieb und war nach einer Zeit der Wanderschaft in Korrespondenz, Verkauf und in der Druckerei tätig, leitete ab 1786 gem. mit seinem Bruder Ignaz L. (* 18. 4. 1764; † 26. 12. 1839) den Betrieb in Neu-Reichstadt, ab 1793 aber die techn. Abt. der Fabrik Josefsthal-Kosmanos, die später in seinen Besitz überging, während die Reichstädter Fabrik sein Bruder Ignaz übernahm. L. ergänzte die dort bestehende Bleicherei und Druckerei durch eine 1794 in Betrieb genommene Weberei und führte mehrere techn. Neuerungen, wie das „einfädige Spinnrad“ sowie den Plattendruck ein, errichtete 1799 auch eine Maschinenspinnerei und entwickelte verbesserte Webstühle. Zur Durchführung der durch die Aufhebung der Kontinentalsperre bedingten Umgestaltung der Produktion berief L. J. v. Orlando, der Chemie stud. hatte und 1811 L.s Tochter Johanna heiratete, in die Fa., die 1810 die Landesfabriksbefugnis erhalten hatte. Die Fa., welche auch eine Niederlage in Wien unterhielt, ging 1812 zum Lapisdruck über, mit dem sie durchschlagenden Erfolg hatte und 1815 auf den Messen als leistungsfähigste europ. Kattunfabrik erschien. Aus gesundheitlichen Gründen trat er die Leitung der Fa. in der Folge fast zur Gänze an Orlando ab und zog sich 1820 völlig aus dem Betrieb zurück. L., besonders besorgt um die Gesundheit seiner Angestellten, sandte 1802 auf seine und seines Bruders Ignaz Kosten einen Arzt zu Studienzwecken nach Würzburg, von wo dieser das Serum gegen Kuhpocken mitbrachte. Die Kinder der beiden Brüder waren die ersten Kinder Böhmens, welche damit geimpft wurden.

L.: Otto 15; Slokar, s. Reg.; H. Hallwich, Fa. L. 1793–1893. Eine Denkschrift, 1893; 100 Jahre im Dienste der Wirtschaft, Bd. 1, 1961, S. 45.
(Hillbrand)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 22, 1970), S. 112
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