Leixner von Grünberg, Otto (1847-1907), Schriftsteller, Literaturkritiker und Journalist

Leixner von Grünberg Otto, Schriftsteller, Literaturkritiker und Journalist. * Schloß Saar (Žďár, Mähren), 24. 4. 1847; † Groß-Lichterfelde b. Berlin, 12. 4. 1907. Als Sohn eines Gutsverwalters in Naturverbundenheit aufgewachsen, stud. L. ab 1866 an der Univ. Graz und anschließend in Marburg Naturwiss. und Germanistik. 1868 setzte er seine Stud. in München fort und fand dort Verbindung mit literar. und Künstlerkreisen, besonders mit M. Carrière und M. v. Kaulbach. Seinen Plan, die wiss. Laufbahn einzuschlagen, gab er auf, wurde Ztgs.-Mitarbeiter und betrieb daneben privat literaturwiss. Stud. 1874 ging er als Kunstreferent der Spenerschen Ztg. und Mitredakteur der „Gegenwart“ nach Berlin, war dort auch Feuilleton-Redakteur der „Berliner Bürger-Zeitung“ und ab 1883 der „Deutschen Roman-Zeitung“. Bei dieser journalist. Tätigkeit und in seinem umfangreichen Buchwerk verband L. ideale, schöngeistige Gedankengänge mit realist. Zeit- und Kulturkritik. Als einer der besten Literaturkenner seiner Zeit bewies er den Zusammenhang zwischen Dichtung und Wirklichkeit. Betont antimaterialist., trat er ein für verinnerlichte Religiosität, sittliche Freiheit und Verantwortung und für eine echte soziale Hilfsverpflichtung im Gegensatz zu den aufkommenden klassenkämpfer. Parolen. Gegenüber engherzigem Patriotismus forderte er hohe kulturelle Manifestation des Deutschtums. Die Wirkung seiner größeren Abhh. blieb allerdings auf einen kleinen Leserkreis beschränkt. Als Spruchdichter wurde L., dessen Sprüche vielfach auf Kalenderbll. aufgenommen wurden, weithin bekannt. Die aphorist. Form entsprach seinem Streben, dem Leben entstammende Weisheit in geläuterter, eindringlicher Form wiederzugeben.

W.: Gedichte, 1867; Dt. Auferstehung (Festspiel), 1870; Gedichte, 1877; Unser Jh. (Zeitbild), 1883; Dämmerungen (Dichtung), 1886; Aus der Vogelschau (Sprüche), 1890; Laienpredigten für das dt. Haus. Ungehaltene Reden eines Ungehaltenen, 1894; Aus einem Zettelkasten (Sprüche), 1896; Die Ehereifen (Roman), 1901; Erträumte Liebe (Roman), 1901; Ausgewählte poet. Werke, 3 Bde., 1902; Fußnoten zu Texten des Tages, 1906. Erzählungen: Die beiden Marien, 1882; Das Apostelchen, 1885; Blitz und Stern, 1889; Aus vier Dimensionen, 1890; Der Frack Amors, 1898; Überflüssige Herzensergießungen eines Ungläubigen, 1901; etc.
L.: N. Fr. Pr. vom 14. 4. 1907; Th. v. Frimmel, Bll. zur Gemäldekde. 4, 1908, S. 29; K. Storck, O. v. L., Eine Stud., o. J.; Brümmer; Giebisch–Gugitz; Giebisch–Pichler–Vancsa; Kosch; Kürschner, 1936; Nagl–Zeidler–Castle 4, S. 1361; K. Storck, Dt. Literatur-Geschichte, 1926; H. Heller, Mährens Männer der Gegenwart, Tl. 5, 1892, S. 64 f.; Biograph. Jb., 1909; Masaryk 4; Otto 15, Erg.Bd. III/2.
(Hanus)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 22, 1970), S. 122
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