Leóstér, Leopold Heinrich; früher Pollak (1866-1924), Journalist

Leóstér Leopold Heinrich, Journalist. * Wien, 8. 10. 1866; † Wien, 2. 9. 1924. Ursprünglicher Name Pollak, 1904 Namensänderung auf Leóstér. Sohn eines Kaufmanns, stud. bis 1889 an der Univ. Wien Jus und wurde Konzipient. L. schrieb seine ersten Gerichtssaalberr. im „Wiener Tagblatt“, dessen Chefredakteur M. Szeps sein Talent erkannte und förderte, wurde Leitartikler und Feuilletonist, dann Leitartikler und — vermutlich — Chefredakteur des „Fremdenblatts“. Wirkte einige Zeit als Theaterkritiker („Berliner Lokalanzeiger“) und literar. Beirat im Scherl-Verlag in Berlin, blieb aber auch nach seiner Rückkehr nach Wien Korrespondent des „Berliner Lokalanzeigers“, für den er — ebenso wiefür den „Pester Lloyd“ — seine Wr. Theaterbriefe schrieb. Er gehörte der Redaktion des „Morgen“ ab dessen Gründung (1910) als Feuilletonist, Kritiker und Verfasser der sarkast. zu aktuellen Fragen Stellung nehmenden „Judex“-Glossen an, schrieb zugleich für die „Zeit“ und ab 1922 mit durch Krankheit bedingten Unterbrechungen für den „Tag“, zeitweise auch noch für eine Reihe anderer Ztg., etwa den „Sonn- und Feiertags-Courier“, das „Neue Wiener Montagblatt“ und die Berliner „National-Zeitung“. L. hatte wesentlichen Anteil an der 1917 gegründeten Organisation der Wr. Presse, von deren Organ „Der Journalist“ er Hauptschriftleiter war. Neben seiner Bedeutung als polit. Leitartikler, Verfasser von geistvoll-satir. Szenen und Geschichten, trat L. vor allem als Theaterkritiker hervor, dem das Theater ein echtes Anliegen darstellte (nach dem Krieg versuchte er sich selbst als Regisseur der Neuen Wr. Bühne) und der für und nicht über das Theater schreiben wollte. Iron. Witz und polit. Einsicht bewies er auch in seiner als Buch erschienenen Schrift über das Parlament.

W.: Das Hohe Haus in der Karikatur. Max und Moritz im Parlament, 1913.
L.: N. Fr. Pr. und Der Tag vom 3. 9. 1924; Sigilla Veri (Semi–Kürschner), 1929; G. Gerstbauer, Die Wr. Montagspresse 1863–1938, phil. Diss. Wien, 1949; Der Journalist, 1917 ff.
(Lebensaft)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 22, 1970), S. 147f.
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