Lepkyj, Bohdan Syľvestrovyč (1872-1941), Schriftsteller, Literarhistoriker und Graphiker

Lepkyj Bohdan Syl’vestrovyč, Schriftsteller, Literarhistoriker und Graphiker. * Krogulec b. Tarnopol (Krohulec, Galizien), 4. 11. 1872; † Krakau, 21. 7. 1941. Sohn eines Pfarrers und Volksschriftstellers; maturierte 1891 in Berežany, stud. zunächst an der Akad. der bildenden Künste, an der philosoph. Fak. der Univ. Wien, 1891/92 in Lemberg. 1895–99 wirkte er als Gymnasiallehrer in Berežany, dann in Krakau. Während des Ersten Weltkrieges entfaltete er in Wien eine lebhafte Herausgebertätigkeit im Dienst der ukrain.-nationalen Sache, später war er zur Betreuung von Kriegsgefangenen in Wetzlar eingesetzt. Nach 1918 ließ sich L. wieder in Krakau nieder und war zunächst Lektor, ab 1932 Prof. für Ukrain. Literaturgeschichte an der Jagellon. Universität. 1938/39 gehörte er dem poln. Senat an. In seiner Jugend gründete L. mit anderen die Dichtervereinigung „Moloda muza“ und schrieb modernist. Gedichte. Einiges wurde vertont, u. a. von F. M. Kolessa (s. d.). Von L. stammen auch zahlreiche realist. Erzählungen. Als Hauptwerk gilt ein siebenteiliger Romanzyklus über den Hetman Mazepa, an dem L. fast 20 Jahre arbeitete. Der letzte Bd. sollte 1944 in Wien gedruckt werden. L. übers. das Igorlied ins Poln. und Ukrain. Für den Druck (Wien 1915) entwarf er eine eigene Ornamentalschrift. Übers. ukrain. Lyrik veröff. L. 1904–10 in der „Ruthenischen Revue“. In der ukrain. Literaturgeschichtsschreibung bemühte er sich, die philolog. und publizist. Methode durch ästhet. Wertungen zu ersetzen. L., Mitgl. der Wiss. Ševčenko-Ges. in Lemberg, edierte die Werke des großen ukrain. Nationaldichters.

W.: Načerk istorii ukr. lit. (Abriß der Geschichte der ukrain. Literatur), 2 Bde., 1909–12; Markijan Šaškevyč, 1912; Pro žyttja i tvory T. Ševčenka (Š.s Leben und Werk), 1918; Zolota lypa (Die goldene Linde) mit Bibliographie, 1924; Mazepa, 4 Bde. 1926–29; Zarys lit. ukraińskiej (Abriß der ukrain. Literatur), 1930; Kazka mojoho žyttja (Märchen meines Lebens), 1936–41; Try portrety (3 Porträts), Franko–Stefanyk–Orkan, 1937; Naše pyśmenstvo (Unsere Literatur), 1941. Erzählungen: Z sela (Vom Dorf), 1897, 1909; Zirka (Sternchen), 1929; Kajala, 1935; Kara (Die Strafe), o. J.; Po dorozi žyttja (Auf dem Lebensweg), o. J. Gedichte: Lysty paduť (Die Blätter fallen), 1902; Z hlybyn dušy (Aus den Tiefen der Seele), 1905; Stričky (Zeilen), o. J. Kinderbücher; etc.
L.: B. L. 1872–1941. Zbirnyk u pošan poeta (Gedenkschrift), 1943; Kleine slav. Biographie, 1958; Ukrajinśka radjanśka Enc.; U. A. Wien.
(Wytrzens)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 22, 1970), S. 148f.
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