Lerch, Theodor von (1869-1945), General

Lerch Theodor von, General. * Preßburg, 31. 8. 1869; † Wien, 24. 12. 1945. Bruder des Physikers Friedrich v. L. (s. d.); absolv. die Theres. Milit.-Akad. in Wr. Neustadt, aus der er 1891 als Lt. zum IR. 102 ausgemustert wurde. Nach Besuch der Kriegsschule 1894–96 kam L. als Oblt. zur 59. Inf.-Brigade in Czernowitz, 1897 wurde er bei der Gen.-Stabsabt. der 11. Inf.-Truppendiv. in Lemberg eingeteilt. 1898–1900 als Hptm. im IR. 62 und 1900–02 bei der Gen.-Stabsabt. des 14. Korpskmdos. in Innsbruck in Verwendung, ab 1902 im Operationsbüro des Gen.-Stabes, 1908 Mjr. Ab Jänner 1910 Instruktionsoff. bei der japan. Armee, wo er zunächst bei einem IR., dann bei einem Art.-Rgt. eingeteilt war. Nach Beendigung seiner Kommandierung in Japan (Sept. 1912) bereiste L. Korea und China und nahm an den engl. Manövern in Indien teil. Im Jänner 1913 nach Wien zurückgekehrt, kam er zunächst als Baons.-Kmdt. zum 4. Rgt. der Tiroler Kaiserjäger, dann im Juli 1914 zum IR. 87 transferiert als Detachementskmdt. nach Skutari. Am 1. 8. 1914 zum Obst. befördert, wurde L. am 18. 8. 1914 zum Gen.-Stabschef des 17. Korps ernannt, mit dem er zunächst die Kämpfe in Galizien, dann ab April 1916 jene an der Isonzofront mitmachte. Anfang August 1917 übernahm er das Kmdo. über die 20. Gebirgsbrigade in Albanien, 1918 führte L. von Juli bis September 1918 die 93. Inf.-Brigade ebenfalls in Albanien. Im September 1918 zum Führerkurs des dt. Heeres in Sedan kommandiert, nahm L. im Oktober dieses Jahres bei der Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht von Bayern an den Kämpfen in Flandern teil. 1919 i. R. In der Zwischenkriegszeit unternahm L. mehrere Vortragsreisen durch Deutschland und Skandinavien, auf welchen er sich hauptsächlich mit der Südtirol- und der Anschlußfrage beschäftigte, weiters hielt er Radiovorträge über seine Reisen in Ostasien und war vielfach publizist. tätig. Während seines Aufenthaltes in Japan führte L. das Schifahren nach Zdarsky (Lilienfelder Stahlsohlenbindung, Einstockfahren) bei Heer und Zivil ein und bestieg als erster auf Schiern den Fudschijama (3748 m). 1921 wurde ihm auf einer weithin sichtbaren Höhe bei Takata ein Obelisk und 1961 ebenda ein 3 m hohes Standbild (L. in österr. Offiziersuniform darstellend) auf einem 7 m hohen Sockel errichtet.

W.: Das neue japan. Infanteriereglement, in: Streffleur, 1908, Bd. 1; Krit. Betrachtungen über die letzten Kämpfe an der dt. Westfront auf Grund persönlicher Eindrücke, 1919; Die Landesverweisung und die Übernahme des Vermögens des Hauses Habsburg-Lothringen durch die Republik Österr., in: ÖWZ vom 3., 10. und 17. 11. 1933; Zwei Bergfahrten in Japan, in: Z.-DÖAV, 1934; Ein Offizierskurs bei Zdarsky, in: Zdarsky — Festschrift zum 80. Geburtstage des Begründers der alpinen Skifahrweise, hrsg. von E. Mehl, 1936 (mit biograph. Angaben); Der Bürgerkrieg in Spanien, in: Militärwiss. Mitt., Jg. 69–70, 1938–39; Der Konflikt in Ostasien und die Kriegsereignisse in Ostasien und im Pazifik, ebenda, Jg. 69–75, 1938–44.
L.: N. Fr. Pr. vom 9. 1. 1910; Notring-Jb., 1968, S. 210, 217; Jb. der Wr. Ges., 1929; L. Winkler, Alpiner Skilauf in Japan, in: Der Schnee vom 10. 5. 1924; Österr.-Ungarns letzter Krieg 1914–18, Bd. 1, 1929, Bd. 6, 1936, Bd. 7, 1938, s. Reg.; K. A. Wien.
(Egger–Mehl)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 22, 1970), S. 151f.
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>