Levitschnigg von Glomberg, Heinrich (1810-1862), Schriftsteller

Levitschnigg von Glomberg Heinrich, Schriftsteller. * Wien, 25. 9. 1810; † Wien, 24. 1. 1862. Stud. in Wien Phil., Jus und schließlich Med., ohne jedoch zu einem dieser Fachstud. eine echte innere Beziehung zu finden. 1830–34 Off., lebte er dann als freier Schriftsteller in Wien, wo er von Grillparzer (s. d.), A. Grün (s. Auersperg), u. a. gefördert wurde. Ab 1837 war L. Mitarbeiter an Saphirs Z. „Der Humorist“ und an der „Wiener Zeitung“. 1845 übersiedelte er nach Pest als Redakteur der „Pester Zeitung“. 1849 übernahm er in Pest die Hrsg. der polit.-belletrist. Z. „Der Spiegel“. Nach Wien zurückgekehrt war er als Lyriker mit einer Smlg. echt empfundener Liebesgedichte und als Bühnendichter erfolgreich, da sein „Tannhäuser“, vertont von F. v. Suppé, 1852 im Theater an der Wien etwa 100mal zur Aufführung gelangte. Mit seinen aus innerer Berufung geschaffenen, von ursprünglichen Ideen und echtem Gefühl erfüllten Gedichten wurde L. zum Vermittler zwischen Abend- und Morgenland, dessen Eigenart er in reicher Bildhaftigkeit und tiefsinnigem Spiel dichter. wiedergab. Besonders in formvollendeten Ghaselen bewährte L. seine an Rückert und Platen geschulte lyr. Begabung. 1861 gründete er die Z. „Der Zeitgeist“, an der er als Hrsg. und Verleger bis zu seinem Tode mitarbeitete.

W.: Rustan (Epos), 1842; Kossuth und seine Bannerschaft (Erzählung), 1850; Silhouetten (Erzählungen), 2 Bde., 1850; Der Tannhäuser (dramat. Gedicht, vertont von F. v. Suppé), o. J., 1852 aufgeführt; Soldatenfibel, 1852; Wien, wie es war und ist (Federzeichnungen und Skizzen), 1860; Turandot (Rätsel, Charaden etc.), 1860; Leyer und Schwert (Eine Zukunftsnovelle aus dem Nachlasse), 1864. Gedichte: Gedichte, 1842; West-Östlich, 1846; Ein Märchen, 1847; Brennende Liebe, 1852; Romane: Die Geheimnisse von Pest, 4 Bde., 1853; Der Montenegriner oder Christenleiden in der Türkei, 1853; Der Diebsfänger, 2 Bde., 1860; Der Gang zum Giftbaum, 2 Bde., 1862; Die Leiche im Koffer, 1863. Beitrr. in Z., Ztg., Anthol. etc.
L.: E. Schilder, H. L., sein Leben und Werk, Phil. Diss. Wien, 1935; Brümmer; Giebisch–Gugitz; Giebisch–Pichler–Vancsa; Kosch; J. Nadler, Literaturgeschichte der dt. Stämme und Landschaften, 3. Aufl., Bd. 4, 1932, S. 419 f.; Nagl–Zeidler–Castle, Bd. 2, 3, s. Reg.; F. Wienstein, Lex. kath. dt. Schriftsteller, 1899, S. 222; Wurzbach; Kosch, Das kath. Deutschland; ADB; Wininger; 150 Jahre Theater an der Wien, 1952.
(Hanus)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 22, 1970), S. 166f.
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