Lewinger, Ernst (1851-1937), Schauspieler und Regisseur

Lewinger Ernst, Schauspieler und Regisseur. * Wien, 28. 12. 1851; † Dresden, 26. 4. 1937. Gab sein Stud. an der Techn. Hochschule in Wien auf, um Schauspieler zu werden. Nach mehrmaligem Auftreten in der Kierschnerschen (s. d.) Theaterakad. debut. er am 6. 10. 1872 als Don Carlos am Hoftheater in Gera, wo er bis 1873 als jugendlicher Held und Liebhaber engagiert war, aber auch sehr viel in kom. Rollen verwendet wurde. 1873–75 wurde er für schüchterne Liebhaber und Naturburschen an das Hoftheater in München verpflichtet; es folgten Engagements in Aachen, Danzig, Bremen, Düsseldorf, Posen und Nürnberg, bevor er 1881 an das Stadttheater Köln kam, wo er sich — ab 1882 Schauspielregisseur — bald ausschließlich der Regietätigkeit zuwandte. Ab 1885 erteilte er auch Schauspielunterricht am Konservatorium. 1897 wurde er als Regisseur an das Hoftheater Dresden engagiert, wo er ab 1900 als kgl. Oberregisseur und zuletzt als Oberspielleiter tätig war. 1918 trat er nach 230 Inszenierungen (Ur- und Erstaufführungen) i.R. Besonders um die Klassiker bemüht, die er für seine Inszenierungen oft selbst bearbeitete (z. B. Götz v. Berlichingen), war L. ein feinfühliger Regisseur, dessen Inszenierungen immer vom Wort des Dichters ausgingen und sich stets durch ein zielbewußtes Ensemblespiel auszeichneten.

L.: Eisenberg; Kosch, Theaterlex.; Wer ist’s? 1908; B. Wildberg, Das Dresdner Hoftheater in der Gegenwart, 1902, S. 18 ff.; J. F. Wolf, Theater. Aus 10 Dresdner Schauspieljahren, 1913; Sächs. Staatstheater. Rückblick auf die Spielzeit 1936/37, 1937, S. 51; Tagebuch der Sächs. Landestheater vom Jahre 1918, 1918, S. 88 ff.
(Futter–Schreiner)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 22, 1970), S. 171f.
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