Lexer, Matthias von (1830-1892), Germanist

Lexer Matthias von, Germanist. * Liesing (Kärnten), 18. 10. 1830; † Nürnberg (Bayern), 16. 4. 1892. Stud. Germanistik in Graz als Schüler Weinholds, später an den Univ. Wien und Berlin. Entscheidende Anregungen erhielt L. durch J. Grimm und K. Müllenhoff. 1855 Supplent am Gymn. in Krakau, 1857–59 Staatsstipendiat an der Univ. Berlin zur weiteren Ausbildung in dt. und vergleichender Sprachwiss. 1859 nach Österr. zurückgekehrt und in der Erwartung, im Mittelschullehramt eingesetzt zu werden, enttäuscht, nahm L. eine Erzieherstelle in Ungarn an, vollendete dort die in Berlin begonnenen wiss. Arbeiten und wandte sich mit Arbeitsaufträgen aus München und Nürnberg wieder nach Deutschland. 1860 Dr.phil. der Univ. Erlangen, 1862 ao., 1866 o. Prof. für dt. Philol. an der Univ. Freiburg i. Br. 1868 erhielt er eine Berufung nach Würzburg, wo er in Anerkennung seiner wiss. Leistungen nob. wurde. Ab 1891 lehrte er an der Univ. München und war zugleich einflußreiches Mitgl. des Obersten Schulrates von Bayern. Ab 1880 arbeitete er am Grimmschen Wörterbuch mit. L. schuf Bleibendes in der germanist. Forschungsarbeit. Als Lehrer wurde er wegen der Klarheit im Aufbau und der Einprägsamkeit seiner Vorlesungen sowie wegen seines großen menschlichen Wohlwollens sehr verehrt. L.s meisterhafte Kurzfassung des mittelhochdt. Wörterbuches („Der kleine Lexer“) gehört bis in die Gegenwart zum Rüstzeug der Studierenden der Germanistik.

W.: Der Ablaut in der dt. Sprache, 1856; Kärnt. Wörterbuch, 1862; Mittelhochdt. Handwörterbuch, 3 Bde., 1869–78; Über Walther v. der Vogelweide, 1873; Mittelhochdt. Taschenwörterbuch, 1879, 32. Aufl. 1966; Zur Geschichte der neuhochdt. Lexikographie, 1890. Bearb.: J. und W. Grimm, Dt. Wörterbuch, Bd. 7, 1889, Bd. 11, Abt. l, Tl. l, gem. mit D. Kralik, 1935. Hrsg.: Aventin, Sämtliche Werke, Bd. 4, 5, 1886. Abhh. in Z.
L.: Tagespost (Graz) vom 20. 4. 1892; Münchner Neueste Nachrichten vom 18. 10. 1930; Heimgarten, Bd. 16, 1892; Dt. Z. für Geschichtswiss., 1892, S. 187; Z. für dt. Philol., Jg. 25, 1893, S. 253 ff.; Carinthia I, Jg. 82, 1892, S. 121; Kärntner Landsmannschaft, 1929, n. 16, 1932, n. 29, 30; Bayer. Ws. zur Pflege von Heimat und Volkstum, Jg. 8, 1930; M. L., Ein Gedenkbl., 1892; Lebensläufe aus Franken, hrsg. von A. Chroust, Bd. 1, in: Veröff. der Ges. für fränk. Geschichte, Reihe 7, 1919; Kosch; Nagl–Zeidler–Castle, Bd. 3, S. 62, 90, 433; Wurzbach; Kosch, Das kath. Deutschland; ADB 51.
(Hanus)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 22, 1970), S. 175
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