Liegler, Leopold; Ps. Ulrik Brendel (1882-1949), Literaturkritiker und Schriftsteller

Liegler Leopold, Ps. Ulrik Brendel, Literaturkritiker und Schriftsteller. * Wien, 30. 6. 1882; † Wien, 8. 10. 1949. Entstammte ärmlichen Verhältnissen und erarbeitete sich autodidakt. umfassende literar. Bildung. Sein forderndes Bekenntnis zur sakralen Geltung der Sprache sowie langjährige dienstbereite Freundschaft verbanden ihn mit K. Kraus (s. d.), dessen geistige Erscheinungsform L. gültig darstellte. 1899–1913 beim Rechnungsdep. des Finanzmin., ab 1914 war er als Buchhalter und Kassier bei der Akad. der Wiss. in Wien tätig. 1946 als Verwaltungsoberinspektor i. R., wurde er mit dem Titel Prof. ausgezeichnet. Nebenberuflich wirkte L. als Vortragender an Volkshochschulen. L.s schon sehr frühe gedankentiefe Äußerungen fanden besonders im Wirkungskreis der Z. „Der Brenner“ (Innsbruck) Anklang. 1945 wurde er provisor. Leiter der Literaturabt. des Österr. Rundfunks in Wien. L., dessen literaturkrit. Arbeiten – wenn auch nur in kleinem Kreise – zu nachhaltiger Wirkung gelangten, übte spracherzieher. Einfluß auf mehrere, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hervorgetretene Autoren.

W.: K. Kraus und die Sprache (Ein Vortrag), 1917; K. Kraus und sein Werk, 1930, 2. Aufl. 1933; Zu Goethes Lyrik, 1932; Verteidigung des lyr. Gedichts, 1936; etc. Hrsg.: J. Nestroy, Ausgewählte Werke, 1925.
L.: Die Presse und Wr. Ztg. vom 11. 10., Salzburger Nachrichten vom 19. 10. 1949; Wort und Wahrheit, Jg. 4, 1949, S. 879 f.; Giebisch–Gugitz; Giebisch–Pichler–Vancsa; H. Kindermann, Wegweiser durch die moderne Literatur Österr., 1954; Kosch; Nagl–Zeidler–Castle 4, s. Reg.; R. Teichl, Österr. der Gegenwart, 1951; Archiv der Österr. Akad. der Wiss., Wien.
(Hanus)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 23, 1971), S. 209
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