Lindner, Ernst (1826-1902), Schriftsteller

Lindner Ernst, Dichter. * Leibnitz (L’ubica, Zips, Slowakei), 27. 12. 1826; † Budapest, 23. 9. 1902. Kam schon als Kind nach Käsmark, das ihm zeitlebens als seine eigentliche Heimat galt. Er stud. zuerst Jus, dann Naturwiss. und Med., begab sich schließlich nach Leipzig und arbeitete dort als Übersetzer griech. Dichtung. In Dresden wirkte er als Lehrer der ung. Sprache, anschließend in Wien als Gymnasiallehrer, dann an der Mittelschule in Zipser Neudorf, ab 1875 als Bibliothekar der Ung. Akad. der Wiss. in Budapest. Seine Neigung und Begabung zur Mundartdichtung hatte L. schon in den vorangegangenen Jahrzehnten immer wieder gezeigt. L.s „Liederposchen“ wurde zur beliebtesten Gedichtsmlg. der Zipser Dt. Seine geistvollen Aufsätze galten als wertvoller Beitr. zur Förderung der dt.-magyar. Beziehungen. Vollendete Beherrschung vielfältiger Vers- und Reimtechnik, Gedankentiefe in volkstümlichen Ausdrucksformen zeichnen sein lyr. Schaffen aus. Als Begründer und auf dem Gebiet der Versdichtung wichtigster Vertreter der volkstümlichen Zipser Wortkunst, fand L. Anerkennung im gesamtdt. Raum, u. a. durch J. V. v. Scheffel und F. Bodenstedt. Auch in der neueren Literaturgeschichte gilt L. als eine der hervorragendsten dichter. Begabungen der Zips. Bedeutend waren ferner seine Leistungen als einfühlender Übersetzer ung. Dichtung, besonders von Arany (s. d.) und Petöfi. 1926 wurde in seiner Heimat eine Gedächtnisfeier für ihn abgehalten.

W.: Täikels Suhn von Schloß, 1854; Fliegende Bll. in Zipser Mundart, 1864; Zipser Volkssagen von ung. und dt. Dichtern bearb., in: Zipser Bote, 1870, n. 37; Fartblihndijer Zepserscher Liederposchen, 1879, 2. Aufl. 1928; Mundartgedichte sowie Abhh. in Z. und Ztg.; Übers. ung. Dichtung in dt. Hochsprache und Zipser Mundart.
L.: Karpathenpost, 1902, n. 45; Egyetemes Philologiai Közlöny, 1902, S. 835; Vasárnapi Ujság, 1902, S. 646; Österr. Rundschau, Bd. 15, 1908, S. 381 ff.; Zipser Heimat, 1926, F. 4, S. 4, 12; Giebisch–Gugitz; K. K. Klein, Literaturgeschichte des Deutschtums im Ausland, 1939, S. 235 ff.; Kosch; Nagl–Zeidler–Castle, Bd. 4, S. 1425, 1429 ff., 1432; Das geistige Ungarn; Révai 12; Szinnyei 7; E. Kövi, ’s Pisenstetzchen. Eine Smlg. von Erzählungen und Gedichten in Zipser Mundart, 1912, S. 132 f., 162; J. Greb, Zipser Volkskde., 1932, S. 18, 117, 194 ff.; H. Grothe, 700 Jahre dt. Lebens in der Zips, 1927, S. 252 ff.; Szepesség Emlékkönyv (Die Zips. Ein Gedenkbuch), 1926, S. 62 f.: Biograph. Aufzeichnungen von P. Gulyás, Manuskriptensmlg., Bibl. der Ung. Akad. der Wiss., Budapest.
(Benda-Hanus)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 23, 1971), S. 222f.
<=  S. 1 =>
<=  S. 1 =>