Löffler, Alexander (1866-1929), Jurist

Löffler Alexander, Jurist. * Szentes, Kom. Csongrád (Ungarn), 4. 2. 1866; † Wien, 25. 12. 1929. Nach Jusstud. an der Univ. Wien (1889 Dr.jur.) und Stud. im strafrechtlichen Seminar Liszts (s. d.) in Halle a. d. Saale bis 1896 Rechtsanwaltsanwärter. 1896 habil. sich L. an der Univ. Wien für Straf- und Strafprozeßrecht. 1897–1902 im Gerichtsdienst tätig, wurde L. 1902 ao. Prof. und 1903 (nach Ablehnung eines Rufes nach Bern) o. Prof. für Straf- und Strafprozeßrecht an der Univ. Wien. Ab 1907 zur Begutachtung von Entwürfen zur Strafrechtsreform herangezogen, nahm L. dazu in zahlreichen Vorträgen und Artikeln Stellung und übte einen entscheidenden Einfluß auf die Reformarbeiten aus. 1910 gründete er die „Österreichische Zeitschrift für Strafrecht“, deren bedeutendster Mitarbeiter er war; hier veröff. er u. a. Laufend – oft krit. kommentierte – Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes. 1917 zum Vorsitzenden der Komm. zur Entscheidung über Pflichtverletzungen von Truppenkmdt. im Ersten Weltkrieg ernannt, übte er dieses schwierige Amt mit Objektivität und rückhaltsloser Festigkeit aus (Deisinger Rehabilitationsprozeß). 1927 krankheitshalber i. R. Jurist. Originalität bewies L. schon in seiner Habilitationsschrift „Die Schuldformen des Strafrechtes“, in der er entgegen der herrschenden 2-Teilung eine 3-Teilung der Schuldformen in Absicht, Wissentlichkeit und Fahrlässigkeit traf; dieses sein Hauptwerk blieb allerdings ein Torso. L. war überwiegend Dogmatiker. Von Liszt beeinflußt, vertrat er eine konservative Richtung. Er war Mitgl. des Vorstandes der österr. Landesgruppe der Internationalen Kriminalist. Vereinigung, der Wr. Jurist. Ges., der judiziellen Staatsprüfungskomm. Er verfaßte zahlreiche Aufsätze in Fachz.

W.: Die Schuldformen des Strafrechts, 1895; Das Strafrecht (Studienausgabe österr. Gesetze), 2 Tle., 1904–05, 2. Aufl., Tl. 1, 1918; Das Strafgesetz vom 27. 5. 1852, Reichsgesetzbl. n. 117, samt den dasselbe ergänzenden und erläuternden Gesetzen und Verordnungen, gem. mit E. Lorenz, 1908, 2. Aufl. 1912; Strafe und Fürsorgeerziehung. Eine Stud. zum Entwurfe eines Fürsorgeerziehungsgesetzes, in: Allg. österr. Gerichtsztg., Jg. 60, 1909, S. 81 ff.; Die Strafprozeßordnung vom 23. 5. 1873, Reichsgesetzbl. n. 119, 2. Abt., gem. mit E. Lorenz. 1909–10; Die Reform des österr. Strafgesetzes, in: Österr. Z. für Strafrecht, Jg. 1, 1910, S. 140 ff., 342 ff., 353 ff.; Vorschläge zum österr. Strafgesetzentwurf, ebenda, Jg. 3, 1912, S. 401 ff., 413 ff., Jg. 4, 1913, S. 45 ff.; Der Entwurf eines Gesetzes betreffend die Auswanderung, ebenda, Jg. 4, 1913, S. 247 ff.; Das advokator. Immunitätsrecht in Österr., ebenda, Jg. 4, 1913, S. 388 ff.; Die Erziehung zur staatsbürgerlichen Verantwortlichkeit, in: Festschrift des k. k. Erzh.-Rainer-Real-Gymn. in Wien aus Anlaß seines 50 Jahre andauernden Bestandes 1864–1914, 1914, S. 65 ff.; Das neue österr. Wucherrecht, in: Österr. Z. für Strafrecht, Jg. 5, 1914, S. 290 ff.; Das neue Kriegsstrafrecht, ebenda, Jg. 5, 1914, S. 197 ff., 367 ff., Jg. 6, 1915, S. 25 ff., 145 ff., 299 ff., Jg. 7, 1916–18, S. 45 ff, Jg. 8, 1918–20, S. 109 ff.; etc. Hrsg.: Konkursordnung, Ausgleichsordnung, Anfechtungsordnung, gem. mit F. und R. Bartsch und R. Pollak, Bd. 2, 1917.
L.: N. Fr. Pr. vom 28., Wr. Ztg. vom 29. 12. 1929; Jurist. Bll., Jg. 59, 1930, S. 44; Feierl. Inauguration, 1930/31; Kürschner, Gel. Kal., 1925–28/29; J. Fraenkel, The Jews of Austria, 1967, S. 39.
(Böck)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 23, 1971), S. 271f.
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