Löhr, Alexander (1885-1947), Generalmajor

Löhr Alexander, General. * Turnu-Severin (Rumänien), 20. 5. 1885; † Belgrad, 26. 2. 1947 (hingerichtet). Absolv. die Theres. Milit.-Akad. in Wr. Neustadt, aus der er 1906 als Lt. zum IR. 85 ausgemustert wurde. 1911 zum Oblt. befördert, kam L. nach Besuch der Kriegsschule im Nov. 1913 als Gen.-Stabsoff. zur Verkehrstruppenbrigade, zu der auch die im Aufbau begriffene k. u. k. Luftfahrtruppe gehörte. Während des Ersten Weltkrieges wirkte L. nach einer Frontdienstleistung von September 1914 bis Oktober 1915 bei der 58. Inf.Brigade als Gen.-Stabshptm. (1. 3. 1915) im Kriegsmin. Zunächst in der Abt. 5/M, dann ab 1. 5. 1916 in der neuerrichteten Abt. 5/L, welche mit dem Luftfahrwesen befaßt war, in Verwendung, hatte L. hervorragenden Anteil am Ausbau der österr.-ung. Luftwaffe während des Krieges. Nach 1918 in das österr. Bundesheer übernommen, war L. in den folgenden Jahren im Bundesmin. für Heerwesen als Mjr. (1. 7. 1920), Obstlt. (8. 7. 1921) und Obst. (20. 7. 1928) tätig. Wieder galt sein Wirken in erster Linie der Wiedererrichtung und dem Ausbau der österr. Luftstreitkräfte, deren Kmdo. er am 1. 5. 1934 übernahm; am 25. 9. 1934 folgte seine Beförderung zum GM. L., der auch verschiedene einschlägige Stud. publ., trat für den Einsatz der Luftwaffe zur Ausschaltung wichtiger Objekte des Gegners und so zur Lahmlegung der Verbindungen und Entscheidungszentren ein, ein Prinzip, das er im Zweiten Weltkrieg erfolgreich anwandte und das im Gegensatz zu den Flächenbombardements wesentlich weniger Opfer forderte. Im März 1938 als Gen.-Lt. in die dt. Wehrmacht übernommen, blieb L. zunächst Befehlshaber der Luftwaffe in Österr., ab 1. 4. 1939 war er als Gen. der Flieger Chef der Luftflotte 4 (Wien). Diese Luftflotte führte L. auch während des Polenfeldzuges 1939 und hatte durch Anwendung seiner Prinzipien wesentlichen Anteil an der raschen Entscheidung in diesem Feldzug, wofür er am 30. 9. 1939 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet wurde. 1940 wieder in Wien, befaßte sich L. mit Stud. über die Fortsetzung des Krieges, in denen er für ein Vorgehen auf dem Balkan mit dem Ziel Mittelmeer–Suezkanal eintrat. Zu Beginn des Feldzuges gegen Jugoslawien erhielt die Luftflotte 4 den Auftrag, Belgrad anzugreifen, der Angriff vom 6. 4. 1941 führte wieder zum vollen Erfolg im Sinne L.s — zur Ausschaltung aller feindlichen Befehlsstellen. Nach der Besetzung Jugoslawiens und Griechenlands erfolgte unter L.s Oberkmdo. — ab 9. 5. 1941 als Gen.-Obst. — schließlich die kühne Eroberung Kretas im Mai 1941, eine Maßnahme, die durchaus zu den Gedanken L.s über die weitere Kriegführung paßte. Von Juni 1941 bis Juli 1942 kommandierte L. seine Luftflotte am Südabschnitt der Ostfront, bis er von diesem Kmdo. enthoben und mit jenem der 12. Armee (ab 1. 1. 1943 Heeresgruppe E) auf dem Balkan (mit dem Sitz in Saloniki) betraut wurde. L., ein Gegner des Rußlandkrieges, kam damit wieder auf den ihm vertrauten Balkan, mußte aber das ihm am Herzen liegende Luftwaffenkmdo. abgeben. Zunächst nur mit der Sicherung seines Kmdo.-Bereichs betraut, hatte L. Ende 1944 die Rückführung seiner Heeresgruppe zu leiten, eine schwierige Aufgabe, die er meisterhaft löste (23. 1. 1945 Eichenlaub zum Ritterkreuz). Nach der Kapitulation ging er mit dem in Jugoslawien (im Raume Cilli) verbliebenen Teil seiner Truppen freiwillig in jugoslaw. Kriegsgefangenschaft und wurde in einem Kriegsverbrecherprozeß, in dem man ihm in erster Linie die Bombardierung Belgrads zur Last legte, zum Tode verurteilt und hingerichtet.

L.: J. Diakow, Gen.Obst. A. L., 1964; G. v. Seemen, Die Ritterkreuzträger 1939–45, 1955, S. 44, 170; Die geistige Elite Österr., hrsg. von M. Klang, 1936; Heeresgeschichtliches Mus. Katalog der Ausst. „Fliegen“ 90/71, Tl. 1, 1971, S. 232 ff.
(Diakow)  
PUBLIKATION: ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 23, 1971), S. 276
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